Lurrie Bell & The Dusty Broom Blues Band 1989

01.12.1989: Lurrie Bell & The Dusty Broom Blues Band

Der Patriot am 05.12.1989, Text und Bild HWD. Datum nicht sicher, könnte auch der 2.12. gewesen sein. Im Bericht über den 16.01.1990 heißt es „im vergangenen Monat“, also Dezember 89. Der Presseartikel erschien am Dienstag, den 5. 12. Es bleibt also nur der 1. oder 2. 12. der Vorwoche übrig.


Die Blues-Sensation blieb aus

Mit „Lurrie Bell & The Dusty Broom Blues Band“ gastierte jetzt ein Blues-Gitarrist in der Lippe-Stadt, dem der Ruf vorauseilt, einer der wenigen ganz Großen des Blues zu sein. Mit Superlativen versehen wie „ein Gitarrenwunder“, dessen Spiel „man nur als Offenbarung bezeichnen kann“, kam seine Präsentation im Domizil des Lippstädter Jazz-Clubs, dem „Don Quichotte“ einer mittleren Sensation gleich.

Immerhin zählte Lurrie Bell vor einigen Jahren zum erlauchten Kreis der gefragtesten Studiomusiker Chicagos. Zahlreiche Platteneinspielungen mit Größen wie Eddy Clearwater, Buster Benton und mit seinem berühmten Vater Carey Bell, dem seinerzeit führenden Mundharmonikaspieler Chicagos, treten hierfür überzeugenden Beweis an. Auch nach Europa schwappte die Welle der Begeisterung, nachdem Lurrie Bell an den American Folk Blues Festivals 1981 und 1982 teilgenommen hatte.

Im Dezember-Konzert des Lippstädter Jazz-Clubs trübten allerdings einige Wermutstropfen den Blues-Cocktail, der eine Stemstunde hätte werden können. Nicht allein, daß der Star sich ziemlich rar machte, so hatte er um Mitternacht vor dem dritten Set nicht mehr als sieben Titel zum Besten gegeben, vielmehr schien er dazu recht uninspiriert. Der zweifelsohne mit einem enormen Talent begnadete Gitarrist zeigte, daß er wirklich alles spielen kann, versprühte aber kaum so etwas was man als Charisma eines farbigen, amerikanischen Blues-Interpreten bezeichnen könnte. Kurzum, „Lurrie Bells’“ Gastspiel fiel im Vergleich zu dem, was der Jazz-Club Lippstadt seit vielen Jahren bietet, sicherlich nicht nach oben aus dem Rahmen.

Auch wenn „das Gitarrenwunder“ nicht jedermann vor Begeisterung vom Stuhl riß, hinterließ es und seine Backing Band „The Dusty Broom Blues Band“ den Eindruck einer immer noch hörenswerten Blues-Nacht. Maßgeblich dazu beigetragen hatte die in Blues-Kreisen sehr bekannte Duisburger Formation um Friedhelm „Fritz“ Pottel (Gitarre) und Jürgen Orzelski (Baß) mit Jens Rollof am Schlagzeug. Die Duisburger, leider ohne Joe Doll am Piano, sorgten für Höhepunkte, ohne sich gegenüber Lurrie Bell in den Vordergrund zu drängen. Als virtuos erwies sich besonders „Fritz“ Pottel, der seine Gitarre je nach Laune auch durch Anblasen der Saiten zu bedienen wußte.

Zu hören gab es in drei durch lange Pausen getrennten Sets sowohl Klanggemälde aus knisterndem Slow-Blues, der fast an Akustik-Blues erinnerte und bei dem Lurrie Bell sein Instrument wimmern, klagen und weinen lassen konnte, als auch fetzigen, rockigen Chicago-Blues. Dabei kopierte Lurrie Bell selten große Vorbilder, obwohl einiges klar an Carlos Santana erinnerte, im Vordergrund standen eigene Titel, mit denen der 31-jährige Amerikaner sich selbst und seine Vorstellung vom Blues darstellte.