06.02.1997: Schampus Allstars

06.02.1997: Schampus Allstars

Bericht im Lippstädter Patrioten vom 11.02.1997.
Text und Bild: Hermann-Josef Skutnik. Vielen Dank für die Berichterstattung und die Ankündigung vom 5.02.1997.


Spritziger Jazzcocktail mit Schampus

Düsseldorfer Formation trat erfolgreich gegen die Konkurrenz der Weiberfastnacht an

Eine Alternative zum karnevalistischen Treiben waren sie allemal, eine gute dazu — die „Schampus AI Stars“. Ihr Repertoire der Stilrichtungen war ein Streifzug durch die Anfänge der Jazz-Musik: Dixieland, Swing, Blues, Mainstream. Also erwartete das Publikum im gut besuchten Jazzclub eher etwas Traditionelles. So war es auch nicht verwunderlich, daß sich das durch die Jahre teils ergraute, teils schüttere Haar der Bandmitglieder ebenso im Publikum wiederfand.

Zwischen Tradition und Innovation bewegten sich die sechs Amateurmusiker in ihrer erfrischenden Spielweise überaus geübt und im positiven Sinne routiniert. Den Dixieland, die weiße Variante des New Orleans-Stils, präsenierten sie mit erfindungsreichen Arrangements und großer Kreativität. Hier überzeugten sechs Musiker, die die Spannung zwischen homogener Band im gemeinsamen Zusammenspiel und bei den zahlreichen Solo-Einlagen, bei denen jeder seine individuelle Musikalität an seinem Instrument eindrucksvoll demonstrierte, hielt. Die Improvisationen der jeweiligen Soli entfernten sich oft von den klassischen Standards, was dem Hörgenuß zugute kam. Es war also mehr als nur ein „einfaches“ Nachspielen mehr oder weniger bekannter Stücke.

Fast schon programmatisch wie eine Klammer begann das Sextett — pünktlich — mit „At he Jazz“ von Nick La Rocca, 1918 erstmals aufgenommen, vor gut 70 Jahren gespielt von der Original Dixieland Jazz Band im New Yorker Restaurant „Reisenweber‘s“. Dort fand der Jazz Einzug ins US-amerikanische Bürgertum. Zum Schluß ertönte ım Don Quijote „After you ‚ve gone“, ein Titel aus den 20er Jahren. Hier wie auch bei anderen Arrangements zeigte sich die Spielfreude durch das Einfügen ganz anderer Titel als musikalische Zitate, die man nicht erwartet hätte wie das deutsche Volkslied „Guten Abend, gute Nacht“ oder „Auf Wiederseh’n und Dankeschön“. Bei „Deed I do“ beispielsweise erklang unvermittelt „When the Saints got marchin’ in“.

Selbstverständlich fehlten nicht die großen Namen des Jazz: Louis Armstrong, Duke Ellington. Fats Waller, Milt Jackson. Sehr einprägsam die gekonnte Präsentation des Jackson-Stückes „Sam sack“ Posaune (Erwin Kuckartz), Kornett mit Schalldämpfer (Klaus Schmedtmann), Tenor-Saxophon (Giselher Spath), Piano (Volker Zarske), Kontrabaß (Samy Schimkus) und Schlagzeug (Fred Schuler) übernahmen nacheinander ihre Soli in der je eigenen Improvisationskreätivität.

Milt Jackson, Vibraphonist des Modern Jazz Quartetts, wird zwar stilistisch dem Kammer-Jazz zugeordnet, dennoch sprühten in dem Arrangement der „Schampus All Stars“ die Funken. Schön gestaltet war die Melodieführung des Kornetts bei dem Armstrong-Titel „Some day you be sorry“. Der schnelle unisono. Bläsersatz präzise gespielt, bei Chopins „Opus 5″, arrangiert 1938 von Charlie Shavers, war genauso ein Hörgenuß wie das bereits erwähnte „Deed I do“. Schade, daß im letzten Set nur noch wenige Zuhörer anwesend waren. Denn jetzt wurde es funkig mit der Cannonball Adderly-Komposition Sack o‘ woe“. Begeistert rutschten selbst die älteren Herrschaften im Publikum auf den Hockern hin und her.

BU: Die „Schampus All Stars“ aus der Düsseldorfer Altstadt servierten an Weiberfastnacht im Jazzclub einen spritzigen Alternativ-Cocktail.