05.03.1998: Two by Two & Holo im Don

05.03.1998: Two by Two & Holo

Beitrag im Lippstädter Patrioten vom 10.03.1998.
Text und Bild: Hermann-Josef Skutnik. Vielen Dank für die Berichterstattung.


Erlebnis für Augen und Ohren

„Iwo by two featuring Holo“ im Jazzclub fügte Musik und Malerei zu einer Einheit

Rechts zieht sich eine schwarze Linie hoch, links zieht sich eine schwarze Linie hoch, weitere horizontale und vertikale Linien folgen, lassen einen Baum entstehen mit kräftigem Wurzelwerk, davor, mit dem Kopf beginnend, erhebt sich ein Primat, ein Affe vielleicht, ein Mensch entwickelt sich unter den Händen des Malers, ein Mensch, der ein Blasinstrument spielt, zwei große Vögel – möglicherweise Kraniche — hören ihm zu. Gezeichnet und gemalt hat dies der Künstler gleichzeitig mit beiden Händen. Grundlage dieses Bildes ist das triolisch angelegte „Nature Boy“, also eine Jazzkomposition von Eden Abez, gespielt von dem Duo „Two by two“

Einen ungewöhnlichen Jazzabend verlebten zahlreiche Zuhörer – und Zuschauer – im Jazzclub im Don Quijote. Nicht nur die Ohren wurden „angesprochen“, auch die Augen nahmen interessante Vorgänge wahr. Der beidhändig skizzierende und malende Künstler, Holger Wilmesmeier, genannt Holo, zog unter den hervorragend spielenden Musikern Georg Rox (Piano) und Dieter Hermes (Saxophone, Baßklarinette) alle Blicke in seinen Bann.

Alle Schnellzeichnungen hatten einen Bezug zu dem jeweils gespielten Arrangement, mal humorvoll, leicht, dann schwermütig, melancholisch, immer passend zu dem Musiktitel. Oft ließer durch die ersten zu Papier gebrachten Striche und Linien, selbstverständlich beidhändig, die Phantasie der Zuschauer in eine völlig andere Richtung laufen.

So mag sich manch einer insgeheim ertappt gefühlt haben, als eine Skizze durch ihre anfängliche Linienführung eine liegende, nackte Frau erwarten ließ, scheinbar überraschenderweise daraus jedoch eine große, Grille wurde. So entstanden unter den Händen Holos aus zwei großen Augen, aus denen ein dem Betrachter zugewandtes Gesicht hätte zunächst vorhergesehen werden können, zwei sich gegenüberstehende Vögel

Auch thematisch frappierend sein Umgang mit der Musik. Bei dem Symes-Jones-Titel „There is no greater love“ ließ er ein völlig symmetrisch spiegelbildlich sich anblickendes Gesicht entstehen – es hätte zunächst ein Liebespaar sein können —, aber die maskulinen Gesichtszüge ließen einen in sich selbst verliebten Mann erkennen, dessen Finger sich außerdem mit den gespiegelten Fingern zärtlich. berührten, ein Narziß. Graphisch auch äußerst reizvoll die zweite Zugabe: Ein dicker, lachender Mann entsteht auf dem Papier, Wilmesmeier reißt es ab, hängt es umgekehrt auf, malt weiter und es
entsteht ein neues Gesicht – und alles gleichzeitig beidhändig gemalt, das Porträt des französischen Filmpioniers George Melits. Sozusagen als Sahnehäubchen schreibt Holo gleichzeitig – den Vornamen des Mannes mit der linken, den Hausnamen mit der rechten Hand!

Bei so viel graphischer Präsenz geriet die Musik etwas in den Hintergrund. Eigentlich ein klein bißchen bedauerlich, weil Rox und Hermes künstlerisch zum Teil sehr anspruchsvolle Kompositionen handwerklich sauber darboten. Den bereits erwähnten Eingangstitel „Nature boy“ trugen sie in metrischer Verschiebung vor: der eine spielte Drei-Viertel-, der andere im Vier-Viertel-Takt, außerdem unterstrich Rox das Stück mit einem „walking“ Baß, mit der linken Hand intoniert.

Die Wayne-Shorter-Komposition „Enfant Eyes“, ungewöhnlich „wegen der dreimal neun Takte, greift die moderne Harmonik auf, auch dies kein Problem für das eingespielte Duo wie auch Ellingtons bzw Tiziols „Caravan“, das zu seiner Zeit bereits die modale Harmonik_ vorwegnahm. Erwähnenswert Hermes’ „Mund-Art“, das er auf der Baßklarinette präsentiert, immer wieder ein cher ungewöhnliches Klangerlebnis.

Auch ein außergewöhnlicher Jazzabend muß mal ein Ende haben, bei dem die Ohren und Augen der Besucher auf ihre Kosten kamen. „Two by two featuring Holo“ wird so manchem noch lange in Erinnerung bleiben.

BU: Als perfektes Trio präsentierten sich die Musiker Dieter Hermes und Georg Rox vom Duo „Two by two“ sowie der Maler Holger Wilmesmeier.