05.11.1998: Simple Present

05.11.1998: Simple Present

Beitrag im Lippstädter Patrioten vom 7.11.1998.
Text und Bild Brode. Vielen Dank für die Berichterstattung.


Energiebündel an zentnerschwerer Orgel

„Simple Present‘ aus Paderborn wurden bei ihrem Jazzclub-Debüt vom Publikum begeistert aufgenommen

Warum ın die Ferne schweifen — angenehm hörbarer Jazz quasi vor der Haustür: „Simple Present“ zu Gast in der Monats-Session des Lippstädter Jazzclubs. Standard Classics made in Paderbom: Erst seit vier Jahren musiziert die Boy-Group in klassischer Trio-Formation miteinander. „Spiritus rector“ des Ensembles ist mit unüberhörbarem Drive Rainer Schallenberg an seiner zentnerschweren Original-B3-Hammond, auf die er bei Live-Acts nie verzichtet. Es dauert nicht lange, ehe sich ein spielerisch entfesselter Enthusiasmus auf sein Auditorium überträgt. Seiner Orgel verlangte das Energiebündel so ungefähr alles ab, was das Instrument hergibt. Diese rhythmische Motorik wirkte ansteckend — kein Problem für den nicht minder engagierten und versierten Kontrapunkt im Thema: Ralf Schalk und seine Rhythmus-Gitarre, seine wohldosierten und intellektuell gesteuerten Soli im fanatischen Blues-Rausch. Drummer Sascha Martini gab sich eher cool und gelassen, um mit perfektioniertem Schlag für den idealen Sound zu sorgen.

Für den verbalen Dialog als ureigensten menschlichen Ausdruck sorgte bei Simple Present das Voice Wonder Peter Schopohl mit seinen Rhythm-and-Blues-Balladen, die er mit enorm rauher, teils rockiger Stimme zum Besten gab. So entstand eine bunte Mischung aus dem Bereich Hammond-Bepop (Beispiel: der Klassiker „Night in Tunesia“) in traditioneller Trio-Formation sowie aus Blues-Soul-Rock-Elementen mit Gesangseinsatz — zwei an sich recht unterschiedliche Pole, deren reizvolle Klangsymbiose die Sets zum Hör-Erlebnis steigerten. Mit ihrer Erkennungsmelodie G-Point-Blues stieg Simple Present in die Session ein.

Neben den Eigenkompositionen (Beispiel: Der Jazz-Blues „Dan is ok“) favorisierten die Musiker eine Vielzahl von Standards quasi als Sechziger-Revival. Dazu gehören Beaules-Versionen („Black bird“) ebenso wie Gershwins „Summertime“ oder der Erfolgshit von „Sunny“, das Young-Spezial „Stella by Starlight“ sowie die Latin Version „Aqua de Bebe. Im Dreivierteltakt stellten die Boys ihren Walzer „My favourite things“ vor. Vokal-Highlights waren zweifellos Peter Schopohls „Dangerous Mood“, „Too proud“ und „Whatever happened to the Blues“ als musikalische Äußerung der inneren Beschäftigung mit hochwertigem Jazz, der seine Wirkung auf die Zuhörer im gut besuchten Konzert nicht verfehlte.

BU: Angenehm hörbaren Sound made in Paderborn servierten „Simple Present“ im Novemberkonzert des Lippstädter Jazzclubs.

[Der Ort wird im Bericht nicht ausdrücklich genannt, ist aber sehr wahrscheinlich das Don]