Charles Davis Trio 1999

02.12.1999: Charles Davis Trio

Mit dem Jazz werden eher das Saxophon oder die Trompete verbunden, vielleicht noch die Klarinette, aber doch selten die Flöte, die den „Klang des Jahrhunderts“, wie Cocteau den Jazz genannt hat, dennoch um einige Farben bereichert hat. Ein Verdienst von Musikern wie Charles Davis, einem der renommiertesten Jazzflötisten Europas, der gemeinsam mit Uwe Metzler und Ahmet Yüzen auf Einladung des Lippstädter Jazzclubs im Don Quijote spielte. Die Instrumentierung des Trios – Kontrabass, Gitarre, Flöte – mag auf den ersten Blick eher ein Kammerkonzert klassischer Prägung erwarten lassen. „Klassisch“ war jedoch noch nicht einmal der Jazz, den „Charles Davis & Captured Moments“ vorstellten.

Charles Davis Trio 1999Mit Modern Jazz der individuellen Machart könnte das Etikett beschriftet werden. Und es würde dem Stil dieses Trios doch nicht gerecht, in dem zuweilen nicht nur Rock- und Bluesklänge aus der Ferne grüßen und Bebop zu hören ist, sondern sogar interessante Anleihen an arabische und osteuropäische Musiktraditionen gemacht werden. Den Ton gibt dabei stets die Flöte an, und das in extravaganter Manier: Charles Davis bläst die Quer-, Alt-, Bass- oder (schon ein optisches Schauspiel:) die Kontrabass-Flöte nicht nur, er trommelt auf ihnen, singt in sie hinein, röhrt, summt in Obertönen, feuert Staccatoklänge ins Mundstück, wenn er es nicht abnimmt und mit der Hand die Tonhöhe variiert. Er pfeift, und das ist voller Respekt formuliert, sogar noch „aus dem letzten Loch“. Aber nicht nur Davis demonstrierte, dass es zur Percussion nicht unbedingt des Schlagzeugs bedarf. Auch Uwe Metzler und Ahmet Yüzen zupfen ihre Streichinstrumente nicht nur, sondern klopfen und trommeln, was das Zeug hält. Dabei gibt das Programm aus Eigenkompositionen von Davis und Metzler und Werken wie Keith Jarrets „Memories of Tomorrow“ oder Oliver Nelsons „Stormy Moments“ jedem Musiker genügend Raum zur Improvisation. Die Musik von „Charles Davis & Captured Moments“ ist musikalisch höchst anspruchsvoll und auch eine Herausforderung für die Zuhörer. Vielleicht kam deshalb nur ein gutes Dutzend Besucher ins „Don“. Beim Januarkonzert wird das sicher anders sein, da hat sich Ali Claudi angekündigt.

Text + Bild: Der Patriot / Christian Deppe
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