Vibraphonist erweist sich als Meister seines Fachs
Er gilt als einer der interessantesten und renommiertesten Vibraphonisten unserer Zeit: Florian Poser, der schillernde Hexenmeister auf seinem Instrument, entfachte mit seiner teils sentimentalen, teils furiosen Klöppelei ein faszinierendes Klangfeuerwerk im Don Quijote. Das Gastspiel beim Lippstädter Jazzclub bildete eine der zahlreichen Stationen während der mehrwöchigen Herbst-Tournee, für die der Oldenburger Vibraphon-Virtuose ein eigenes Quartett zusammengestellt hat, das sich aus hervorragenden jungen Spitzenmusikern rekrutiert: Der Hamburger Pianist Buggy Braune kämpfte recht erfolgreich gegen die Tücken eines leicht verstimmten Klaviers an und begeisterte mit virtuosen pianistischen Glanzparaden, vom holländischen Kontrabassisten Sven Schuster (Amsterdam) im rhythmischen Drive begleitet. Für den adäquaten Drummer-Sound sorgte Re-Import Bertram Lehmann am Schlagzeug, ebenfalls aus Oldenburg stammend und in Boston/USA reussierend und inzwischen auch dozierend, so gesehen also eine klassische Vibraphon-Quartett-Besetzung im modernen Stil. Und gerade der Modern Jazz ist die Haupt-Domäne von Florian Poser, der sich eigentlich nur wenig an Vorbildern orientiert; hier wäre Milt Jackson vornehmlich zu nennen. Vielmehr präsentiert der Vibraphonist vorwiegend Eigenkompositionen wie „Pacific Tales“ aus der Florian Poser Group Selection. Zuweilen widmet er sich auch Arrangements von Jazz-Standards (Beispiel: „Bye Bye Black Bird“) oder Latin Compositions. Zu den ruhigen Titeln, die mit reichlich Sentiment intoniert wurden, gehörte die Ballade „I wouldn’t dream“, aber auch der „Tango Alone“, in seinem durchweg cantabilen, fast schwermütigen Charakter mit klangschönen harmonisch-innigen Vibraphon-Duetten sicherlich einer der konzertanten Höhepunkte der Soiree. Ebenso beeindruckend wurde der deutsche Titel „Eiszeit“ in recht ruhiger Gangart interpretiert. Dann wieder kraftvoll-vitale Eruptionen mit virtuosen Glanzpassagen aller Beteiligten, etwa beim „Blues Nr. 6“ mit dem explosiven Schlagzeug-Feuerwerk. Und immer wieder stand das Vibraphon im Mittelpunkt, von Florian Poser in blendender Spiellaune mit zahlreichen Klang-Effekten hinreissend traktiert. Ein Meister seines Fachs sorgte für gute Laune in Sachen Jazz.
Text: Der Patriot / Verfasser unbekannt
übernommen von archive.org 03/26
