Authentischer Jazz des goldenen Zeitalters – Trotz Anzug und Krawatte gab sich das Quartett Echoes of Swing im Don Quijote locker und spontan / Nahezu orchestraler Sound
Ganz „schnieke wie aus dem Ei gepellt“ präsentierten sich vier junge Jazz-Profis mit dunklem Anzug, Weste und Krawatte ihrem Fan-Publikum im Don Quijote, so ganz und gar nicht „jazzig“ gekleidet, aber dennoch schlaksig-lässig und vor allem spontan: The Echoes of Swing auf Revival-Tournee machten auf Einladung des hiesigen Jazz-Clubs auch in Lippstadt Station und reüssierten in ihrem Bemühen, ihre innere Freude beim authentischen Musizieren spontan auf das Publikum zu übertragen. Die 1997 gegründete Band ist mit vier jungen Senkrecht-Startern einer neuen Swing-Generation international besetzt: Neben dem Münchener Pianisten Bernd Lhotzky und dem Kölner Schlagzeuger Oliver Mewes formieren sich der britische Top-Trompeter Colin Dawson (ein „Beinahe-Schotte“) und der amerikanische Alt-Saxophonist Chris Hopkins zum swingenden Quartett. Stilistisch orientiert sich die Band zwar an Vorbildern der goldenen Dreißiger und Vierziger Jahre. Dennoch bemüht man sich, das von den alten Meistern Erlernte mit Eigen-Arrangements in einen eigenen charakteristischen Sound umzumünzen. Trotz der „klassischen Quartett-Kleidung“ gibt man sich locker, nimmt sich selbst nicht zu ernst, musiziert reichlich spontan und freudig-engagiert und motiviert. Dabei verwundert, dass trotz des fehlenden Kontrabassisten ein lebendiger, eigenständiger Sound kreiert wird. Die beiden Bläser schaffen es zuweilen, einen nahezu orchestralen Sound zu produzieren, während der fehlende Kontrabass von der Basstrommel und von der linken Hand des Pianisten ersetzt werden muss – bei dem kleinen Klavier in Lippstadt kein leichtes Unterfangen. Zuweilen wird auch interpretatorisch eine Art mystische Spannung erzeugt. Bestes Beispiel: Duke Ellingtons „Mooche“, intoniert durch einen Trommelwirbel, der recht variationsreich mit spritzigem Piano-Drive in einen geladenen Marschrhythmus mündet. Zu den weiteren Höhepunkten der Session gehörten das Paradestück der neuen CD „Harlem Joys“, das von einem Jazzkritiker geschriebene Stück „Scram“ sowie Edgar Sampsons flotter Swing „If dreams come true“ mit faszinierenden Soli. Fats Waller diente als musikalisches Vorbild für das seiner Frau Anita gewidmete Stück. Trompeter Colin Dawson betätigte sich auch vokal mit seinem „Melancholy Baby“ und Irving Berlins Song „This Years Kisses“. Arabisches Flair wurde mit dem „Persian Rug“ zitiert. Recht stimmungsvoll ging es auch bei dem Wüsten-Exkurs „Dawn in the desert“ zu, während beim „Central Avenue Blues“ wieder der klassische authentische Jazz der goldenden Zeit durchpulste. Das hatte Substanz, das gefiel dem Publikum.
Der Patriot, Text LB
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