Swing Cats 2001

03.10.2001: Jazz-Brunch mit den Swing Cats

Jazzbrunch mundete doppelt  – „Swing Cats“ und Gäste meisterten die etwas ungewöhnliche Auftrittsatmosphäre mit Spielfreude und Gelassenheit

Jazzbrunch zum Auftakt der neuen Jazzclub-Saison und trotz Regens fanden sich im „Goldenen Hahn“ sehr viele Musikbegeisterte ein. Alle kamen auf ihre Kosten. Die Band, eigentlich ein Quartett mit dem Namen „Swing Cats“, war mit dem aus Australien stammenden Posaunisten und der US-amerikanischen Sängerin Shaunette Hildabrand zu einem Sextett mutiert. Schließlich gilt es außerdem, das zehnjährige Bandjubiläum gebührend zu würdigen. Zunächst war es etwas hektisch und für die meisten sehr, sehr eng.

Die Musiker bauten auf, führten den Soundcheck durch, Gäste quetschten sich an ihnen wie aneinander vorbei. Überhaupt stand dem Sextett wenig Platz zur Verfügung. Der Posaunist konnte gerade mal den Zug seiner Posaune ausfahren. Aber die „Swing Cats“, im besten Sinne routinierte Profis, trugen diese Situation mit humorvoller Gelassenheit. Diese Haltung färbte gleichfalls auf ihre Spielweise ab. Sehr relaxed gingen sie zu Werke. Auch wenn teilweise die Geräuschkulisse anstieg, auch wenn Gäste mit wohl gefüllten Tellern an ihnen vorbeidefilierten, tat das den gekonnten Interpretationen keinen Abbruch. Im Gegenteil: es schien die Musiker anzuspornen. Ihre äußerst lebendige Spielfreude übertrug sich auf das Publikum, das ihnen immer wieder bei den jeweiligen, teils in „fliegendem“ Wechsel absolvierten Solo-Einlagen Beifall spendete. Sympathisch und unkompliziert, mit locker-charmanten Ansagen präsentierte Band-Leader Frank Roberscheuten seine Mann- bzw. „Frau“-schaft sowie die Titel seiner Formation. Er selbst spielte vorzüglich Tenorsaxofon und Klarinette. Der Mann am Klavier, genauer am E-Piano, mit spaßigen Einlagen, aber deswegen nicht minder gekonnt, Dirk van der Linden. Souverän und überzeugend ließ seine Finger über die Saiten seines Kontrabasses Karel Algoed gleiten. Das Schlagzeug sehr differenziert einsetzend bediente Onno de Bruyn. Der virtuose Posaunist Tom Baker, der außerdem noch Trompete, Alt-Saxophon, später noch Tenorsaxofon spielte, gab auch seine Vokalkunst zum Besten. Und – last but not at least – überzeugte die Sängerin Shaunette Hildabrand mit ihrer weichen, unaufdringlich-eindringlichen Altstimme. Auch wenn diese Formation seit zehn Jahren besteht, zeigte sie noch keine Abnutzungserscheinungen. Die Kompositionen, etwa von Irving Berlin, George Gershwin, Louis Armstrong oder Fats Domino, geben die Stilistiken an wie Blues, New Orleans-Jazz, Ragtime, Rhythm ’n‘ Blues bis zum Bebop. Die „Swing Cats“ gastierten zum ersten Mal in Lippstadt – höchstwahrscheinlich nicht zum letzten Mal. Wie sagte doch nach der letzten, stürmisch geforderten Zugabe ein älteres Ehepaar: „Wir waren im Hamburger Jazzkeller. Das war bei weitem nicht so gut wie das hier!“

Text- und Bildquelle: Der Patriot / Hermann-Josef Skutnik
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