Alte Songs mit neuem Gesicht – Trio Chords and Accordion widmete sich bei der „Christmas Session“ des Jazzclubs bekannten und weniger bekannten Weihnachtsliedern aus aller Welt
Wer zuletzt kam, erhielt nur noch einen Stehplatz: Über ein „full house“ freute sich Eddie Nünning am Mittwochabend im Wintergarten der Gaststätte „Graf Bernhard“ am Tivoli. Der heimische Gitarrist und Musikschullehrer war mit seinem neu gegründeten Trio Chords and Accordion zu Gast bei der diesjährigen „Christmas Session“ des Jazzclubs Lippstadt. Wenn schon weihnachtliches Dekor fehlte, so sollte wenigstens der musikalische Aspekt mit dem Motto „Groovin‘ Christmas Jazz“ die Freunde dieses Genre adäquat einstimmen. „Spiritus rector“
Eddie Nünning mit seiner Acoustic Nylonstring Guitar, Andreas Hermeyer mit dem melodieführenden Akkordeon und Eberhard Schröder (Bass-Gitarre und Kontra-Bass) haben sich in einem abwechslungsreichen Trioprogramm bekannten und weniger bekannten Weihnachtsliedern aus aller Welt gewidmet, um diese stilistisch neu zu arrangieren und in einem akustisch anderen Gewand hörbar zu machen. Das Entree bildete eine Melodie-Vorlage von Felix Mendelssohn-Bartholdy, hier in der Version eines populären amerikanischen Songs („The Herald’s Angels sing“), bevor das Trio mit dem Frühlingslied „Spring can really hang“ eine stilistisch interessante Überleitung zum „Brazilian Snow Dance“ fand. „Fragile“ nach einer Vorlage von Sting sowie „Georgia on my mind“, ein Feature von Andreas Hermeyer, sowie George Gershwins „My man’s gone“ gehörten zu den musikalisch phantasievollen Titeln der immer wieder mit Weihnachtsmotiven angereicherten Mixtur („Go tell it on the mountain“). So erhielten die Weihnachtslieder aus dem deutschen, angelsächsischen und französischen Sprachraum ein anderes Gesicht. Bei Stücken wie „Maria durch einen Dornwald ging“, „Schneeflöckchen, Weißröckchen“ oder „Morgen Kinder wird’s was geben“ verbanden sich swingende Jazz-Elemente und popmusikalische Stilrichtungen in feinster Jazz-Waltz und Choral-Jazz-Manier. Auch Gospel-Shuffle und Nashville Style gehören zu den Blues- und Folk-Arrangements, die Eddie Nünning erst kürzlich in dem Gitarrenbuch mit CD „Groovin‘ Christmas Guitars“ veröffentlicht hat und die er nun im Jazzclub live vorstellte. Weitere Schwerpunkte der Session bildeten New Musette und südamerikanische Stilrichtungen (Bossa-Nova „Christopher“ und „Moon and sand“). Mit der unvermeidlichen „Jingle Bells“-Zugabe jazzten die „Groovin‘ Guitars“ des Trios quasi in den Nikolaus-Tag hinein – eine lockere, vergnügliche Advents-Session als musikalischer Gegenpol zur hektischen Vorweihnachtszeit.
Text- und Bild: Der Patriot / LB
übernommen von archive.org 03/26
