Ali Claudi Trio 2003

06.02.2003: Ali Claudi Trio

Begeisternder Stilmix – Ali Claudi-Trio überzeugte in der Lounge mit einem breit gefächerten Repertoire von Soul-Jazz bis Country / Hochkarätig besetztes Ensemble

Ganze zehn Mark gab es für den ersten Auftritt in einer Milchbar im Sauerland. Damals war Ali Claudi noch Pennäler. Als Zehnjähriger wurde er zum Klavier-Unterricht „zwangsverdonnert“, entdeckte jedoch mit 16 seine Liebe zur Gitarre. Somit musiziert er seit mehr als 40 Jahren: Ali Claudi, einer der ganz Großen in der deutschen Jazz-Szene, war am Donnerstag zu Gast beim Lippstädter Jazzclub.

Diesmal brachte der Bandleader verschiedener aktueller Formationen sein Trio mit, das bereits seit 1976 besteht. Nur hochkarätige Musiker dürfen bei ihm mitspielen. Stilistisch lässt sich der Gitarrist (und zuweilen auch Sänger) aus Düsseldorf nicht gern festlegen. Seine Musik stellt eine wohlgefällige Mixtur aus Soul-Jazz, Rhythm & Blues, Rock Jazz, Latin, Swing, Bebop und Country Rock dar. Die Improvisationen und Arrangements sind von souveränem Gespür gezeichnet: erdige klare Elektrogitarre ohne elektronische Effekthascherei, ehrlicher, zupackender Sound auf der Basis hochgradiger Virtuosität. „Die Dinge sind nicht mehr so wie sie mal waren“ – dieser Titel öffnete vielsinnig das musikalische Portal zu einer begeisternden Session mit repräsentativen Beispielen aus dem breit gefächerten Repertoire. Darunter natürlich auch zahlreiche Titel aus der umfangreichen CD-Kollektion. Dazu gehörten auch Alis Vocal-Songs wie „Lady be good“ (George Gershwin) und „I do a little more for you“ (Ray Charles). Marc Antoines Sechsachtel-Takt sowie das südamerikanische Instrumental-Intermezzo im Bossa Nova-Rhythmus gehörten da schon zu den feinsinnigeren Exkursionen klangedler Jazzgitarristik. Als impulsiv denkender und handelnder Kontrabassist betätigte sich Norbert Hotz recht spielfreudig mit seinem kraftvollen Fundamentalinstrument ebenso routiniert wie virtuos als swingender Rhythmus-Lieferant. Seine markanten, melodiös apostrophierten Soli zeigten musikalischen Humor. Sein spritzig wirkendes Ausdrucksspektrum voller jazzvirtuoser Raffinessen bekundeten souveräne Instrumentenbeherrschung und technische Brillanz. Mit tempogeladenem und facettenreichen Power-Drive sorgte schließlich das Energie-Bündel Christian Schröder auf dem Schlagzeug für rhythmische Dichte, ob in langsamer Balladen- oder Blues-Version oder im schnellen Swing oder Samba-Rhythmus. Eine expressiv gestaltete, selten überzeichnete Session, die ihre Anhänger in der Lounge suchte und fand.

Text und Bild: Der Patriot / LB