07.03.2002: Schampus All Stars

Zur Kulisse abgestempelt – Hervorragendes Konzert der Schampus All Stars litt unter dem Geräuschpegel der Gäste

Die echten Jazz-Fans hatten kaum eine Chance: Der Dixieland, der eigentlich wie Schampus prickeln sollte, avancierte zur reinen Geräuschkulisse. Die Schampus All Stars, schon häufiger zu Gast beim Lippstädter Jazzclub, mussten schon ordentlich aufdrehen, um gegen den Lärm anzukämpfen. Es herrschte wieder qualvolle Enge in der Gaststätte Graf Bernhard. Der untere Raum stand wegen Umbau nicht zur Verfügung, so dass man auf das enge Straßenlokal ausweichen musste. Akustische Probleme (zum Beispiel beim vorgesehenen Gesang per Mikro) waren unausweichlich. Das Sextett improvisierte so gut es ging. Was einen Großteil des Publikums indes nicht daran hinderte, das Konzert zur musikalischen Kulisse abzustempeln. So waren die Ansagen des Bandleaders eigentlich überflüssig – es hörte kaum jemand hin. Schade! Denn die 1969 im Düsseldorfer Altstadt-Jazzlokal Dr. Jazz bei einem Glas Schampus (daher der Name) gegründete und inzwischen überregional und international bekannte Formation hatte wieder reichlich klassischen Dixieland und Swing im Marschgepäck. Dabei orientiert sich die Gruppe unter anderem an der legendären Axel Welsh Band, die, ausgehend vom Chicago-Stil, seit Mitte der sechziger Jahre in präziser Satzarbeit zu einem swingenden Mainstream fand, in dem sich Dixieland und ein Schuss Kansas-Feeling gelegentlich mit modernen Elementen mischten. Der musikalische Esprit der Welsh Band durchpulst nach deren Auflösung (1982) auch heute noch spürbar den Stil der Schampus All Stars, wie die jüngste Session bewies. Von Anfang an dabei sind Klaus Schmedtmann (Kornett, Flügelhorn, Sänger, Bandleader, Arrangeur und Komponist) und Giselher Spath (Sopran-, Tenor- und Alt-Saxophon). Es folgten Fred Schuler, ehemaliger Drummer der unvergessenen Düsseldorfer Feetwarmers, Samy Schimkus (Kontrabass) und Volker Zarske (Klavier). Horst Janßen an der Posaune präsentierte sich zum ersten Mal in Lippstadt. Spektakuläres Schlagzeug-Solo Naturgemäß konnten die Schampus All Stars nur einen kleinen Ausschnitt aus ihrem umfangreichen Repertoire präsentierten. Dazu gehörten neben den typischen Dixieland-Standards mit Piano auch Blues-Titel und Balladen wie „Ain’t misbehavin'“ a la Fats Waller , „Way down yonder in New Orleans“ und „I found a new baby“ mit dem spektakulären Schlagzeug-Solo. Neben dem unverwüstlichen St. Louis-Blues (in der W.C.Handy-Version) fehlten aber auch Count Basie („Doggin‘ around“) und Duke Ellington („Satin Doll“) nicht im Programm, das mit vielen Ohrwürmern des Classic Jazz angereichert war. Brillante Soli würzten das eindrucksvolle Mischung aus Feeling und hochgradiger Virtuosität. Dabei verloren die Schampus All Stars nie ihr stilistisches Konzept aus den Augen, nämlich die allzu ausgetretenen Pfade zu meiden und dafür traditionellen und Mainstream-Jazz geschickt miteinander zu verbinden.

Text: Der Patriot / LB
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