Geistreich verschnörkelt – Die Hammondorgel hat keinen besonders guten Ruf – zu Unrecht, wie Hammondeggs im Jazzclub bewiesen
„Das Wetter ist schön geblieben“, meinte der junge Schlagzeuger Barny Bürger. Er nahm es als ein gutes Zeichen, dass sich der Wettergott nicht an die Vorhersagen von Kachelmann & Co. gehalten hatte. Dann legten er und Rainer Schallenberg an der Hammondorgel und Heiner Beringmeier an der Gitarre los. Die Musik von Hammondeggs ist besser als die etwas dürftige Ansage. Es geschah sogar ein kleines Wunder. Die Gespräche verstummten. Nur einige Unverbesserliche unterhielten sich noch über Fußball. Man konnte die Musik hören. Und sie ist hörenswert!
Die Hammondorgel hat heute Seltenheitswert. Sie wurde anno 1937 von dem Amerikaner L. Hammond erfunden und hieß zunächst „Tastenelektrophon“. So kann man’s im Musikbrockhaus nachlesen. In den fünfziger und sechziger Jahren konnte man jeden Tag im Radio Schlager- und Operettenmelodien hören, die ein unermüdlicher Hammond-Organist auf einer großen Orgel im Hamburger Funkhaus mit flinken Fingern und hurtigen Füßen dem Instrument, das auch ein Pedal hatte, entlockte. Orchesterersatz! Die Zeiten sind vorbei. Rainer Schallenberg präsentiert seine kleine Orgel als Partnerinstrument von Jazzgitarre und Schlagzeug. Es gibt keine Verständigungsprobleme. Blickkontakt genügt. Sie spielen eine geistreich verschnörkelte und versynkopisierte Musik. Rainer Schallenberg ist der Star des Abends. Er hackt übermütig und ärgerlich zugleich immer neue Varianten in die Tastatur seines Instrumentes. Mal scheint er introvertiert nur für sich zu spielen, dann wieder schmettert er mit appellierender Gestik seine Melodien dem Publikum entgegen. Das ist emotionale Kreativität aus dem Bauch. Nicht ganz! Sein Spiel ist von einem wachen musikalischen Sachverstand gesteuert. Und der Gitarrist Heiner Beringmeier und der Drummer Barny Bürger? Beide sind ebenbürtige Partner, die sich von ihm nicht die Schau stehlen lassen. Bravo, bravissimo!
Text und Bild: Der Patriot / wh
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