Joachim Raffel Trio 2002 feat. Christiane Hagedorn

05.12.2002: Joachim Raffel Trio feat. Christiane Hagedorn

Verblüffende Klangexzesse – Joachim Raffel Trio und Christiane Hagedorn war zu Gast im Jazzclub-Konzert des Jahres

Modern Jazz durchpulste die letzte Jazzclub-Session des Jahres. Das Joachim Raffel Trio und die Sängerin Christiane Hagedorn waren zu Gast in der Lippstädter Lounge am Tivoli. Bereits mit neun Jahren saß Joachim Raffel am Klavier. Vorbilder an denen sich der Osnabrücker Pianist, Komponist und Arrangeur orientiert, sind eher die Ausnahme. Zu ihnen gehört etwa Thelonious Monk, dessen Titel „Introspection“ den zweiten Set einleitete. Die meisten Titel hat Raffel selbst komponiert. Viele stammen von der neuen, im Handel noch nicht erhältlichen CD „Beguine the Begin“. Auch die Eigenkomposition des Bassisten Alex Morsey „Honestly“ durfte nicht fehlen – ein quirliges Pendant zum Piano-Drive des Bandleaders. Dritter im Bunde: Drummer Christian Schoenefeldt, das temperamentvolle Energiebündel am Schlagzeug und Percussion – der Sound war perfekt. Vokal gesellte sich schließlich eine der interessantesten Neuentdeckungen der deutschen Jazz-Szene hinzu: Christiane Hagedorn, als Sängerin und Schauspielerin gleichermaßen brillant und stilistisch profiliert, ist seit fünf Jahren dabei. Viele ihrer Songtexte hat sie selbst verfasst. So erklang vorwiegend „Eigenes“, von Balladen, in denen die Zeit still zu stehen scheint wie „Moments of Memories“ bis hin zur sinnlichen Hommage an den Süden Frankreichs „Beguine Francaise“. Die erstaunlich vielfältige Palette stimmlicher Entfaltungsmöglichkeiten wusste Christiane Hagedorn mit teils verblüffenden vokalen Klangexzessen zu würzen: Das Schlaflied „Lullaby“ stand hierbei im reizvollen Klangkontrast zu den nahezu ekstatischen stimmlichen Elementen in der „Rush hour“. Auf einem Liebhaberstück, einem alten indischen Harmonium, zitierte Bandleader Joachim Raffel den „ehrenwerten Rittersknecht“. Bassist Alex Morsey, dem der Titel gewidmet war, sorgte auf der Tuba für einen effektvollen Soundkontrast. Sängerin Christiane Hagedorn schließlich oblag es, zum guten Schluss die Überraschung perfekt zu machen: In der Zugabe griff sie zur Geige und dokumentierte auch hier ihre musikalische Vielseitigkeit. Alles in allem ein klanglich etwas ungewöhnliches, aber durchaus reizvolles Jazz-Event in der Vorweihnachtszeit.

Text und Bild: Der Patriot / LB
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