Kraftvoll und mitreißend – Das Jörg Hegemann Trio orientierte sich im Jazzclub-Konzert streng an den Vorbildern des klassischen Boogie-Woogie der dreißiger Jahre
Stilistisch hat er sich längst festgelegt: Jörg Hegemann, am Donnerstag mit seinem Boogie-Woogie-Trio erneut zu Gast beim Jazzclub Lippstadt, orientiert sich mit seinen Vollblut-Musikern streng an den Vorbildern des klassischen Boogie-Woogie der dreißiger Jahre. Dazu gehören in erster Linie Star-Pianist Albert Ammons, Meade Lux Lewis und Pete Johnson. Wobei der Wittener Pianist nicht unbedingt seinen Idolen „nur nacheifern“ möchte. Durch intensive und ständige Beschäftigung mit dem Boogie-Woogie-Stil jener Zeit versucht er, auch mit Eigenkompositionen „ähnlich“ zu sein, sich in die Stilistik jener Zeit einzudenken. Bestes Beispiel für diese Intention: Sein Piano-Solo-Blues „Morning Breeze“ ganz im Stil von Albert Ammons. Zu den weiteren markanten Solo-Paraden der Session in der Lounge am Tivoli gehörten auch der „Wall Street Diver“ und der „Boogie Woogie Blues“, den sich Jörg Hegemann quasi Note für Note ganz im Albert-Ammons-Stil selbst erarbeitet hat, sowie das prägnante, technisch brillant inszenierte „Albert’s Way“. Ein Stück in Stride Piano-Manier mit verblüffend virtuoser Manual-Anschlag-Technik besonders mit der übergreifenden hüpfenden linken Hand – im Vergleich zu seinem Klavier-Part vor knapp drei Jahren übrigens diesmal auf dem Flügel (Jörg Hegemann: „Wesentlich schwieriger zu spielen!“). Zu den alten Stücken gehörte der langsame, gefühlvoll intonierte „How long Blues“. Dann wieder kraftvoll-strotzendes Energie-Bündel auf dem Flügel beim rasanten Paradestück der Band, dem „Boogie Woogie Express“. Nicht nur bei diesem einheizenden Titel präsentierte sich Jörg Hegemann als tonangebender Spiritus Rector am Piano. Zuweilen glaubte man bei den besonders virtuos herausgespielten Elementen einen Axel Zwingenberger herauszuhören – der stampfende Blues-Boogie in der kraftvollen und mitreißenden Improvisation des Teamchefs ging jedenfalls unwillkürlich unter die Haut. Neben Bandleader Jörg Hegemann als dirigierender Motor-Drive am solistischen Piano agierten Reinhard „Django“ Kroll am Kontrabass sowie Drummer Jan Freund am Schlagzeug zur rhythmischen Unterstützung. Nur selten und eher verhalten erklangen Soli der „Begleiter“, zu sehr war Chef Hegemann am Piano in swingender Action. Beim Lippstädter Gastspiel jedenfalls kam die musikalische Visitenkarte des Jörg Hegemann Trios gut an, wie die stetig sich steigernde Begeisterung der zahlreichen Jazz-Jünger bewies.
Text: Der Patriot / LB
übernommen von archive.org 03/26
