03.04.2003: Little Martin & The Roosters

Blues ohne Kompromisse – Little Martin and the Roosters hielten ihr Publikum wieder einmal in Atem Arrangements lebten von wechselnden Tempi und Stimmungen

Qualvolle Enge herrschte diesmal in der Lounge am Tivoli: Dicht gedrängt scharten sich die Jazz-Fans um Martin Schönke (Little Martin) und seine Roosters (zu deutsch: die Hähne), die diesmal in Trio-Version erneut erfolgreich im Lippstädter Jazzclub „krähten“. So dauerte es wieder einmal nicht lange, bis der Funke beim Publikum zündete. Seit 1986 ist die quirlige Münchener Band im Geschäft: Kompromissloser Chicago-Blues, der durch einfühlsames und intensives Zusammenspiel für authentisches Blues-Feeling sorgt – so präsentierte sich die Formation erneut in Lippstadt mit einer bunten Mischung aus Fremd-Kompositionen und eigenen Titeln in enger Anlehnung an die Spielweise, die sich etwa 1920 vor allem in Chicago, aber auch in New York entwickelte. Die Arrangements lebten von wechselnden Tempi und Stimmungen wie etwa beim Schlusstitel des ersten Sets, als die Band mit ihrem legendären „Mystery Train“ ihren facettenreichen D-Zug in stetig forciertem Tempo auf „Full Speed“ zusteuerte, ehe die alte Dampflok schnaufend und keuchend langsam im Bahnhof ausrollte. Hautnah und mit vitalem Drive, dennoch einfühlsam, zwingend und zuverlässig wurde der Chicago-Blues rübergebracht. Mit eiserner Selbstdisziplin und dennoch in lockerer Gangart hielten die Vollblutmusiker an ihrer selbst gesteckten Linie fest, sich oft bis zur Ekstase gegenseitig musikalisch anspornend. Doch allzu hart gedieh der von den Münchenern gepflegte Chicago Blues denn auch wieder nicht, fand man doch immer wieder abwechslungsreich zu weicherer Tonart mit durchsichtigen melancholischen Elementen zurück. Allen voran Frontmann Martin Schönke mit seiner zuweilen bewusst verzerrt klingenden, fast schreienden Lead-Gitarre a la Eric Clapton. Auf den sechs Saiten, die den Blues bedeuten, zauberte der Solist bunte Klangfarben, von metallisch hart bis butterweich, mal tempogeladen, mal mit verhaltener „Slow Hand“, von seinem Bruder Bernhard auf der Bassgitarre mit solidem Sound instrumental, aber auch vokal assistiert („I hear you knocking“). Für den rhythmischen Drive am Schlagzeug sorgte diesmal Drummer Ludwig Bergner. Zu den weiteren Höhepunkten der Session gehörten die einfühlsame Story eines unbekannten Komponisten „Early in the Morning“, der Blues-Klassiker „Little Red Rooster“ sowie die Eigen-Arrangements „Take me with you“ und der „Rooster Boogie“. Erst zu vorgerückter nächtlicher Stunde wurden Little Martin and the Roosters von ihren Lippstädter Fans entlassen.

Text: Der Patriot / LB
übernommen von archive.org 03/26