08.01.2004: East-West-Quartett

West-östliche Vielseitigkeit – East-West-Quartett bestritt erste Session des Jazzclubs 2004.

Ein bunt zusammen gewürfeltes Ensemble aus Ost und West war am Donnerstagabend zu Gast in der gut gefüllten Lounge am Tivoli: Das East-West-Quartett, junge Vollblutmusiker aus der Ukraine, den USA und Unna, bestritten als Gäste des Lippstädter Jazzclubs die erste Session im neuen Jahr. Sie kennen sich schon lange, lediglich die Formation in dieser Besetzung ist frisch: Pianist Vadim Neselovskyi aus Odessa, das „Energiebündel“ am Klavier, gab sich mit rhythmischem Drive mal besinnlich, mal stürmisch-leidenschaftlich auf dem Manual. Sein Landsmann Dimitry Telemanov als „Melody Maker“ auf der Solo-Trompete dokumentierte auf der Basis einer soliden klassischen Ausbildung seine ausgesprochene Vorliebe für die diversen Stilrichtungen des Jazz und begeisterte mit fein abgestuftem Sound in virtuos vorgetragenen Tiraden. Drummer Christian Finger (New York) faszinierte immer wieder mit beeindruckenden Schlagzeug-Soli. Mitten drin der „deutsche Mittelpunkt“ am Kontrabass: Uli Bär (Unna), des öfteren schon beim Acoustic Jazz Trio zu hören, bewies eine erstaunliche Vielseitigkeit auf seinem Instrument. Stilistisch lässt sich die Formation nur schwer einordnen: Swing und Latin dominieren zwar, aber auch Elemente von Mainstream und Modern Jazz sind dabei. Solisten aus Ost und West musizieren aus Freude an der gemeinsamen Sache zusammen – daher der Name „East West“ – doch der Zusatz „Quartett“ passt nicht ganz, handelt es sich bei diesem Ensemble doch um ein Team von routinierten Individualisten, die als ausgezeichnete Solisten auf ihren Instrumenten ihre reichhaltige Erfahrung in Sachen Jazz und zugleich ihren persönlichen Stil mit ihren musikalischen Vorlieben überzeugend rüberbringen. Solisten, die außerdem Komponisten sind: Auch im Lippstädter Gastspiel fanden sich zahlreiche Eigenkompositionen, so zum Beispiel „It’s my secret“, „C-Dur“ und „First Visum“ aus der Feder des Trompeters Dimitry Telemanov, oder das Duo Trompete/Klavier „Song for Vera“ sowie der letzte Schnee im Frühling „The last snow“, komponiert vom Pianisten Vadim Nevelovskyi. Alles in allem ein musikalisch ungewöhnlich vielseitiges Konzert einer außergewöhnlichen Band.

Der Patriot, Text: LB, Foto: Brode
übernommen von archive.org 03/26