The Groove im Tivoli Lippstadt 2004

05.02.2004: The Groove

Beitragsbild (oben): Hans-Günther Adam (Orgel), Kurt Billker (Drums), Uwe Haselhorst (Saxophon) und Bandleader Ali Claudi (Gitarre) (v.l.)

Tempogeladen und facettenreich – Die neue Formation The Groove erwies sich im Jazzclub-Konzert als reizvolle Neuentdeckung. Gitarrist, Sänger und Bandleader Ali Claudi ist in Lippstadt schon ein alter Bekannter

Ganze zehn Mark gab es für den ersten Auftritt in einer Milchbar im Sauerland. Damals war Ali Claudi noch Pennäler. Als Zehnjähriger wurde er zum Klavierunterricht zwangsverdonnert, entdeckte jedoch mit 16 seine Liebe zur Gitarre. Somit musiziert er seit fast 45 Jahren: Ali Claudi, einer der ganz Großen in der deutschen Jazz-Szene, war wieder da und sorgte für ein volles Haus beim Jazzclub Lippstadt. Zum Schluss gab es nur noch Stehplätze. Auch bei seiner neuen Formation The Groove bleibt der Bandleader verschiedener Ensembles seinem Prinzip treu, nur mit hochkarätigen Musikern zu konzertieren. Und in dieser reizvollen Neuentdeckung am deutschen Jazzhimmel finden sich ausnahmslos „Legenden“ zusammen. Allen voran der „Chef“: Stilistisch lässt sich der Gitarrist (und zuweilen auch Sänger) aus Düsseldorf nicht gern festlegen. Seine Musik stellt eine wohlgefällige Mixtur aus Soul-Jazz, Latin, Swing, Rhythm & Blues, Bebop und Country Rock dar. Die Improvisationen und Arrangements sind von souveränem Gespür gezeichnet: Erdige, klare E-Gitarre ohne übertriebene elektronische Effekthascherei sowie ehrlicher, zupackender Sound auf der Basis hochgradiger Virtuosität. Mindestens ebenso lange im Jazz-Geschäft: Uwe Haselhorst, der Hexenmeister auf dem Saxophon und der Querflöte. Als impulsiv denkender und handelnder Solist betätigte sich der Routinier recht spielfreudig auf seinem Instrument. Solo-Pianist und Bassist Hans-Günther Adam brachte diesmal seine Orgel mit, um zuweilen als technisch brillanter Rhythmus-Lieferant mit markanten, melodiös apostrophierten Soli und jazzvirtuosen Klangraffinessen in einem recht spritzig wirkenden Ausdrucksspektrum auf sich aufmerksam zu machen. Mit tempogeladenem und facettenreichem Power-Drive sorgte schließlich das legendäre Energie-Bündel Kurt Billker am Schlagzeug für rhythmisch faszinierende Dichte, ob in feinsinniger Blues-Version („Get you on my mind“), im schnellen Swing a la Benson Rider oder im fetzigen Samba-Rhythmus („Puente for Soul“). Zu den Höhepunkten des Konzerts gehörten Titel wie „I don’t like you no more“, „Fire and rain“ sowie James Browns „I feel good“. Alles in allem eine durchaus expressiv gestaltete, selten überzeichnete Session, die ihre Anhänger in der überfüllten Lounge suchte und auch sehr schnell fand.

Text und Bild: Der Patriot / Brode LB
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