Amerikas Süden liegt in Detmold – Rollo’s Hot Shots produzierten im Jazzclub-Konzert einen lebhaften, verspielten Sound, der direkt aus den verräucherten Kellerkneipen in New Orleans stammen könnte.
Wie jeden ersten Donnerstag im Monat hatte der Jazzclub Lippstadt eine feine Jazzcombo in die Lounge am Tivoli geladen. Rollo’s Hot Shots kommen aus Detmold, spielen Dixieland und sind weder besonders jung noch ein unbeschriebenes Blatt. Hip ist also was anderes, und trotzdem: Wenn „Applaus das Brot des Künstlers“ ist, wie Klarinettist Gerd Beckmann an einer Stelle in Erinnerung rief, waren Rollo’s Hot Shots an diesem Abend nicht auf Diät gesetzt. Im Gegenteil, die Tivoli-Lounge mit ihrer sorgsam restaurierten Holztäfelung bot das perfekte Ambiente für die urigste aller Jazztraditionen. Das kam der Stimmung zugute. Das Publikum sparte nicht mit Applaus und Zwischenrufen nach jeder gekonnt vorgetragenen Solopassage. Die Musiker punkteten sowohl mit handwerklichem Können als auch mit ihrer ausgeprägten Höflichkeit. Wer sich nach dem dritten Set noch Zeit nimmt, für das Geburtstagskind im Saal ein Wunschlied, nämlich den Klassiker „Icecream“, zu spielen, kann kein böser Mensch sein. Auch wenn vorher mit flachsigem Humor darauf hingewiesen wurde, dass auf 50 Euro-Scheine geschriebene Songwünsche die besten Chancen hätten, beachtet zu werden. Musikalisch orientierte man sich natürlich an Amerikas tiefem Süden. Neben programmatischen Stücken wie der „Bourbon Street Parade“ gab es Dixie und Blues in allen Varianten zu hören. In klassischer Dixie-Besetzung inklusive Banjo und Kontrabass produzierten Rollo’s Hot Shots einen lebhaften, verspielten Sound, der direkt aus den verräucherten Kellerkneipen im Herzen New Orleans stammen könnte. Kleine Abstecher in benachbarte Genres machte die Band mit dem entspannten „Majorca“ oder auch dem alten Revue-Stück „High Society“. Eine runde Sache also, die zur sichtlichen Zufriedenheit von Musikern und Zuhörern verlief. Rollo’s Hot Shots wären sicher noch einmal gern gesehene Gäste – und Detmold liegt allemal näher als New Orleans.
Text und Bild: Der Patriot / Herbort
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