Das Jazzclubkonzert der Beckers Blues Band lebte vom Kontrast zwischen leidenschaftlichen Balladen und fetzigen Blues-Krachern Undercover-Agenten des Blues.
Sie verstehen sich selbst als Undercover-Agenten in Sachen Blues. Zumindest bei ihrem Gastspiel in der Tivoli Lounge: Die Beckers Blues Band aus dem Münsterland packte reichlich Blues aus ihrem musikalischen Marschgepäck aus. Mit einem bunten Mix aus Blues und Blues-Rock, Klassik-Standards und modernen Exkursionen beendete das in Coesfeld beheimatete Quintett die Winter-Saison des Lippstädter Jazzclubs. Seit 1967 musizieren die beiden Brüder Friedhelm (Drums) und Norbert Becker (Bass) zusammen. Sie gaben der seit knapp drei Jahren existierenden heutigen Formation den aktuellen Namen. Dabei werden die Beckers unterstützt von der Sängerin Ilona Höing sowie von Michael Rath (Gitarre, Gesang) und Egbert Bronstering (Saxophon) – ideale stimmliche wie instrumentale Voraussetzungen also für die intensive Beschäftigung mit den verschiedenen Blues-Formen getreu dem Motto „Back to the roots“. Auch wenn die fetzigen Rock-Versionen, die die Band im Repertoire hat, im Lippstädter Gastspiel fehlten, da man sich ausschließlich der Blues-Thematik widmete, so lebte das Konzert dennoch vom ausgeprägten Kontrast zwischen gefühlvollen, teils sentimental, teils leidenschaftlich vorgetragenen Bluesballaden, stimmgewaltig intoniert von „Big Mama“ Ilona Höing, und einigen fetzigen Blues-Krachern, die Michael Rath mit rauchiger Stimme und schillerndem Gitarrenspiel zu würzen wusste. Während Ilona Höing ihre besondere Vorliebe für Etta James („I sing the Blues“) nicht zu verbergen weiß, orientiert sich Gitarrist Michael Rath gern an Gary Moore („Midnight Blues“, „Story of the Blues“). Ilonas zartfühlende langsame Blues-Version von „Heart of the City“ kontrastierte eindrucksvoll mit dem fetzigen Elmar-James-Titel „Dust my blues“. Bei Eric Claptons „Born under a bad sign“ wirkte Norbert Beckers stellenweise übersteuerter Akustik-Bass etwas störend. Temperamentvoll gedieh der sich steigernde Wechselgesang „Hold on I’m coming“ a la B.B. King / Eric Clapton. Wurden die Jazzfans bereits in den ersten beiden Sets vom nahtlos rübergebrachten Blues Feeling infiziert, so unterstrich die Band im dritten Set noch einmal das Motto mit dem Titel „Undercover Agents for the Blues“ von Tony Joe White (bekannt durch Tina Turner). Auch der Blues-Klassiker „Little Red Rooster“ gehörte zu den Highlights der Session, die erst zu vorgerückter Stunde endete.
Text und Bild: Der Patriot / Brode
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