Francesca Simone im Jazzclub Wunderbar ausdrucksstark
Am ersten Donnerstag des Monats ist Jazztag in der Tivoli-Lounge: Leider musste die vorab angekündigte Gruppe „Ooyahh!“ aus Krankheitsgründen absagen. Mit Francesca Simone hatte der Jazzclub jedoch eine mehr als angemessene Vertretung gefunden. Die Sängerin deutsch-italienischer Herkunft hatte bereits vor zwei Jahren einen sehr erfolgreichen Auftritt in Lippstadt absolviert, nun konnte sie noch einmal kurzfristig engagiert werden. Zwar war ihr „Francesca Simone Trio“ an diesem Abend zu einem Duo zusammengeschmolzen – Perkussionist Andreas Kappler war verhindert -, das tat der Qualität der Performance jedoch keinen Abbruch. Bei Francesca Simone kennt Musik keine Stil- oder Landesgrenzen, mit wunderbar ausdrucksstarker Stimme interpretierte sie Volkslieder, Jazz- und Popstücke aus Italien, Deutschland und England, gemischt mit eigenen Kompositionen. Bekanntes und Unerwartetes ging hier oft Hand in Hand – bezeichnend, dass einem Jazzstandard wie „You are the sunshine of my life“, samten und dunkel gesungen, eine verspielte Version des Beatles-Stücks „Get together“ vorausging. Akustische Lücken waren trotz der Abwesenheit eines Musikers nicht auszumachen. Ein kleiner Shaker in der Hand der Sängerin und das perkussive Spiel der Gitarre machten das Fehlen der eigentlichen Rhythmusabteilung spielend wett. Dem Duo war die Routine und Flexibilität, die eine klassische Musikerausbildung mit sich bringt, jederzeit anzumerken. Das bedeutete keine stilistische Beliebigkeit: Ein entspannter, leicht abgedimmter, typisch mediterraner Fluss zog sich wie ein roter Faden durch das gesamte Programm. Gitarrist Robert Mensebach begleitete souverän und, wo angebracht, mit lebhaften, farbigen Akzenten, drängte sich aber nicht in den Vordergrund. Sporadisch hob er durchaus auch mal zu einem rasanten Lauf ab oder warf ein ausgeklügeltes Akustik-Solo ein. Ein Konzert wie eine Flasche guten Rotweins also – und der Klassiker „Azurro“ hat, stilvoll und bedächtig vorgetragen, doch erheblich mehr Reiz als in einer von Adriano Celantano oder den Toten Hosen geknödelten Version.
Text und Bild: Der Patriot / Herbort
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