7.10.2004: Beverly Daley und die „Up Town Four“

Elegant ins Gehör geschmeichelt – Beverly Daley und die „Up Town Four“ überzeugten in der Lounge durch lässige Vielseitigkeit.

Auf den ersten Blick könnte man Beverly Daley übersehen, so einen unauffälligen Eindruck macht die kleine Frau aus Jamaika. Wären da nicht die ausdrucksvollen, strahlenden Augen. Und spätestens nach dem ersten Einsatz am Mikrofon konnte sie sich der vollen Aufmerksamkeit aller Menschen im Raum sicher sein. Mit Beverly Daley und den „Up Town Four“ hatte der Jazzclub Lippstadt wieder eine hochkarätige Jazzcombo für sein monatliches Konzert in der Lounge am Tivoli verpflichten können. Seit 20 Jahren ist die charismatische Sängerin im Geschäft, viel Zeit also, eine ganz eigene Ausstrahlung und einen gekonnten Umgang mit dem Publikum zu entwickeln. Der zeigte sich nicht nur, wenn sie vergnügt schmunzelnd „Willy from Lippstadt“ in einen Liedtext mit einbaut. Ella Fitzgerald und Dianne Reeves gibt sie als ihre bedeutendsten Einflüsse an, es wäre allerdings ungerecht, die Songs an diesem Abend als ein bloßes Echo dieser großen Jazzkünstlerinnen zu beschreiben. Klassikern wie der Kurt Weill-Komposition „Speak low“ oder dem vom Publikum gewünschten „Summertime“ hauchte sie mit Temperament und ganz eigenen, vielseitigen Interpretationen Leben ein. Die Jazztradition, die sich an diesem Abend präsentierte, war dabei nicht von der technisch-kantigen Art, sondern schmeichelte sich mit eleganten Melodien direkt in die Gehörgänge hinein. Das Quartett „The Up Town Four“, das sie bei diesem Auftritt begleitete, offenbarte sowohl individuelle Klasse als auch einen runden, organischen Gesamteindruck. Hier hatte man es mit Musikern zu tun, die zur Kommunikation keiner Worte bedürfen. Besonders Leonard Jones aus Chicago demonstrierte am Kontrabass lässige Vielseitigkeit. Nicht nur sang er kurzerhand den ersten Song des Konzertes selbst, zwischendurch griff er immer mal wieder zum Bogen, um den Bass auf klassische Art zu streichen statt zu zupfen. Nicht, dass es ohne diese Einlagen langweilig geworden wäre: Jones hatte Walking Bass-Läufe für Wochen mit und legte zusammen mit Drummer Hans G. Laaks einen dicken Rhythmusteppich, auf dem die samtweichen Melodien der Solisten wunderbar zur Geltung kamen. Mit einer geschmackvoll swingenden Version von „Route 66“ wurde das Publikum zum Schluss in die Nacht entlassen. Das letzte Summen und Fingerschnippen dürfte aber erst sehr viel später verstummt sein.

Text: Der Patriot / Herbort
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