Joachim Raffel Sextett am 2.12.2004 in der Schmiede Lippstadt

02.12.2004: Joachim Raffel Sextett

Bericht im Lippstädter Patriot vom 04.12.2004.
Text + Bild: LB, v
ielen Dank für die Berichterstattung.


Bis ins Absurde ausgelotet.

Das neue Vereinslokal des Jazzclubs kam besser an als das Konzert des Joachim Raffel Sextetts. Die zum Teil chaotisch wirkenden Kompositionen ließen klare Linie vermissen. Durchweg positiv beurteilt wurde das Ambiente des neuen Vereinsdomizils des Lippstädter Jazzclubs: Seit diesem Monat finden die monatlichen Konzerte in der Schmiede statt. So war denn auch das adventliche Jahresabschlusskonzert sehr gut besucht.

Offenbar etwas weniger positiv beurteilt wurde von manchen Jazz-Fans der Auftritt des Osnabrücker Joachim Raffel Sextetts. Die bereits 1999 gegründete Formation fand nach rund vierjähriger Pause wieder zusammen und gab mit ihrem ersten Konzert nach langer Zeit zugleich ihr Debüt in Lippstadt. Dabei wurden fast durchweg Eigenkompositionen des Bandleaders Joachim Raffel vorgestellt – als Pianist war er schon des Öfteren zu Gast in Lippstadt.

Wer im Adventskonzert soliden klassischen Jazz erwartet hatte, mag enttäuscht gewesen sein. Da wurden teilweise recht chaotisch wirkende Elemente mit brachialer Urgewalt entfesselt (so bei der der Eigenkomposition „Better not now“). Andere Titel konnten ansatzweise eher der adventlichen Jahreszeit zugeordnet werden: In „Honestly“ von Alex Morsay (Bass, Tuba) beispielsweise kommunizierten quasi experimentell mit Stephan Struck (Trompete) und Robert Kretzschmar (Tenor-Saxophon) sowie Jan Klare (Alt-Saxophon) und Joachim Raffel (Piano) zwei verschiedene Duos miteinander.

Mit dieser Vorliebe für kollektive Sachen versuchte man auf der Basis von swingendem Groove die Musik zwischen konventionellem und „abstraktem” Spiel auszuloten, was nicht immer gelang: Die Orientierung an konventionellen Stilen geschieht eher unterschwellig. Das Abstrakte wird bis ins Absurde ausgelotet. So lässt sich das Raffel-Sextett wohl schwerlich in eine bestimmte Linie einordnen. Raffel liebt die Abwechslung: moderner Jazz, den der Bandleader aber nicht als „Modern Jazz“ der Avantgarde verstanden wissen will, wenn er seine Stücke auf ein zeitgemäßes Niveau trimmt.

Seine Musik muss organisch kommen. Die teils kosmisch aufbereiteten Groove Tunes sollen abwechslungsreich und „tanzbar“ sein (wie beim harmonisch reduzierten „Groove Split” und beim bewegten „Move“). Auf Spannungsbögen legt er Wert, wobei es für den unbedarften Jazzjünger nicht immer leicht ist, diese heraus zuhören. Versöhnlich stimmte die Premiere des eher in die Adventszeit passenden vierstimmigen Choralsatzes „For the first time“.