Bericht im Lippstädter Patriot am 10.10.2005.
Text + Bild: Rixen (Vorname wird noch recherchiert), vielen Dank für die Berichterstattung.
Altmeister des Jazz macht Club-Jubiläum zum Genuss
Klaus Doldinger und Band spielten am Samstagabend im Stadttheater. Samba, Boogie und Fusion vereint. Frische durch zeitgemäße Elemente.
Jeden Sonntagabend, wenn der „Tatort“ beginnt, hören Millionen seine Filmmusik, oft ohne es zu wissen. Die Rede ist von Klaus Doldinger, der am Samstagabend mit seiner Band „Passport” im Lippstädter Stadttheater spielte.
Vor 50 Jahren veröffentlichte er seine erste LP mit der Gruppe „Feetwarmers“, vor 50 Jahren wurde der Jazz Club Lippstadt gegründet. Das passt gut zusammen und bescherte den Zuhörern einen mitreißenden Abend. Nach einer kurzen Begrüßung durch den Vorsitzeden des JCL Martin Heimeier ging es direkt mit einem grandiosen Saxophonsolo los.
Doldinger ist wirklich der Altmeister des Jazz, der wie kaum ein anderer Samba, Boogie, Jazz und Fusion vereint. Außergewöhnlich wurde der Abend aber, weil Doldinger selbst und seine Band „Passport“ offensichtlich viel Spaß hatten und vor Spiellaune nur so sprühten.
Trotz seiner 69 Jahre ist Doldinger ein Energiebündel. Seine Soli sind noch immer präzise, teils jazzig, teils fast Iyrisch. Wohltuend ist auch, dass er sich nicht in den Vordergrund spielte. Immer wieder überließ er seiner Band das Feld. So auch bei „Bellydance“, wo Patrick Scales am Bass durch elegantes, aber dynamisches Spiel überzeugte.
Zwischen den Stücken plauderte Doldinger gut gelaunt aus dem Nähkästchen. Er erzählte von seiner Freundschaft zu Wolfgang Petersen, von den Tourneen durch die ganze Welt und von der Entstehung des Stückes „Happy Landing“: „Wissen Sie, die Band hier fliegt nicht gerne“ meinte er schmunzelnd. Aber „Happy Landing“ riss dann die Zuhöer zu den ersten Bravorufen hin. Biboul Darouide, Ernst Ströer (perc) und Christian Lettner (dr) zeigten, was sie können. Gitarrist Peter O’Mara brauchte sich mit seinen eleganten Soli auch nicht zu verstecken.
Sehr gelungen war die Zusammenstellung des Abends. Neben Stücken von der CD „Back to Brazil“ (2003) präsentierte die Formation immer wieder ältere Songs in musikalisch leicht gelifteter Form. Deutlich merkte man Stücken wie „Yellow Dream oder „Ataraxia“ ihre Herkunft aus den 70-ern an, doch Doldinger und seine Band verstehen es, mit neuen, zeitgemäßen Elementen den Songs eine unglaubliche Frische zu verleihen.
Keyboarder Roberto di Gioja überzeugte nicht nur mit zahlreichen herausragenden.Soli an den Tasten, sondern brachte gelungene Samples mit ein. Auch die beiden Klassiker unter seinen Filmmusiken durften auch nicht fehlen: das Hauptthema des Filmes „Das Boot” und eben die „Tatort“-Melodie, Beides klang frisch, modern und groovte wirklich. Stürmischer Applaus belohnte die Jazzer für das tolle Konzert.
