21.11.2019 Jazz im Foyer - Musikschule Lippstadt

21.11.2019: Jazz im Foyer

Bericht im Lippstädter Patriot vom 23.211.2019.
Text + Bild: Marion Heier, v
ielen Dank für die Berichterstattung.


Mal frech, mal lyrisch

Das titelgebende Foyer steht zurzeit gar nicht zur Verfügung. Schließlich wird das Stadttheater gerade runderneuert. Die Traditionsveranstaltung „Jazz im Foyer“ läuft natürlich trotzdem weiter. Am Donnerstag baten die Musikschule und der Jazzclub zum zweiten Mal in die Aula der Musikschule.

„Das wird heute kontinuierlich besser“, musste sich Musikschullehrer Peter Freitag am Donnerstag bei der Anmoderation zum x-ten „Jazz im Foyer“ erst mal ein Raumen aus dem Publikum einfangen. Dabei hatte der Chor aus den „Just Us“-Chören doch mit „The House of The Rising Sun“ einen ordentlichen Auftakt hingelegt.

Einen gesunden Humor jedenfalls hat das Kollegium. Dass sie auch lehren können, folgte auf dem Fuße. Dem Motto „Hört mal, was wir gelernt haben“ stellten sich die unterschiedlichsten Formationen der heimischen Conrad-Hansen-Musikschule.

Eine trägt schon seit Jahrzehnten den gleichen Namen, auch wenn sich natürlich die Besetzung ändert: der Choro-Club. Das junge Ensemble lieferte mit dem „Baby Elephant Walk“ an Querflöte, Cajón, Gitarre & Co. ein hörenswertes Arrangement, das mit seiner munteren Melodie im Bossa-Groove ein wenig an Sielmanns „Expeditionen ins Tierreich“ erinnerte.

Die Power Girls ließen zarten Rock-Sound hören. Die „Combo“ – schon seit Jahren ohne Namen – schlug mit „While My Guitar Gently Weeps“ von George Harrison schon kräftiger in die Saiten, was auch dem Solo-geübten Stefan Kasprik zu verdanken war. Beim Jazz-Klassiker „Autumn Leaves“ holten sie sich die Sängerinnen Hannah und Lilly Hengstebeck dazu, die mit rauchigem und klarem Timbre dem Werk Konturen gaben. Die beiden profilierten sich außerdem in Joni Mitchells „Woodstock“. Unterstützt von Eddie Nünning an der Gitarre hatte das sehr viel Charakter.

Auch Diana Schmidt sang sich mit Billy Eilishs „Loving“ in die Herzen. The Hansen Electrics folgten mit Toto und Queens „Bohemian Rhapsody“ der Tradition geballter E-Gitarrensounds. „The Chicken“ lautete der Titel der No-Name-Männerband, der mit so viel quirligem „Jazz-Spirit“ daher kam, dass man das Stück auch „Funky Chicken“ hätte nennen können.

Auch die Schüler-Lehrer-Band gab sich sehr souverän im Latin-Groove, mal frech, mal lyrisch wie beim Filmtitel zu „The Night Has 1000 Eyes“. Hier kamen echte Solo-Qualitäten unter anderem der Saxophonistin Eva Bölting zur Geltung.

Und natürlich machte die heiß ersehnte Bigband den Abschluss – mit „Some Bars Of Samba“ von Guido Schlegel, in dem die Band mit Johannes Reimer, Christian Daniels, Ulli Stemmeler und Dieter Hermes als Profi-Solisten in der Brass-Sektion den Soul des guten Bigband-Sounds rüberbrachte. Erwähnenswert ist, dass die Anmoderationen mitunter schon fast Entertainer-Qualitäten bekommen haben, kommen sie doch immer lässiger aus der Hüfte geschossen.

Das ist es wohl auch, was die Generationen übergreifenden Fans vom Foyer-Jazz seit Jahren immer wiederkommen lässt. Schließlich spiegelt das Format mit einem Querschnitt des Jazz durch Swing, Fusion, Rock und Pop eine gewisse Werkstatt-Atmosphäre wider, die zeigt, welchen Herausforderungen sich insbesondere junge Menschen, die die Bühne mitunter zum ersten Mal erobern, stellen müssen. Mal muss man den Verstärker mehr aufdrehen oder das Solo einfach selbstbewusster raushauen.

So war es wieder einmal eine gelungene Symbiose von „Newcomern“ und alten Hasen“ – sehr schön anzuhören.