Maron & Sobo Band am 21.06.2021 im Stadttheater Lippstadt

24.06.2021: Marion & Sobo Band

Bericht im Lippstädter Patriot vom 06.04.2021.
Text + Bild: Marion Heier, v
ielen Dank für die Berichterstattung.


Musik, die in keine Schublade passt

Die Marion & Sobo Band begeisterte in ihrem Jazzclub-Konzert im Stadttheater

Es ist, als fließe endlich wieder Blut durch die Adern, so lebensbejahend, so voller Sommer ist die Musik der Marion & Sobo Band. Frisch eingeflogen aus Frankreich, möchte man sagen, haben sie für die Freunde des Lippstädter Jazzclubs am Donnerstagabend im Stadttheater das „savoir-vivre“ mitgebracht.

Das mit Frankreich stimmt allerdings nicht so ganz. Zwar stammt Sängerin Marion Lenfant-Preus daher, der Rest der Band mit Alexander „Sobo“ Sobocinski (Gitarre), Jonas Vogelsang (Gitarre), Frank Brempel (Violine) und Stefan Berger (Kontrabass) jedoch aus Polen und Deutschland.

Aber genau das macht ihre Musik aus. Sie ist grenzüberschreitend, unglaublich vielfältig und ganz einfach nicht zu fassen. Im Gepäck hat das Quintett aus Bonn das neue Album „Histoire“, das am Donnerstag just um Mitternacht auf allen Kanälen veröffentlicht wurde. Noch vor dem Release haben die Lippstädter Gelegenheit, zuzuschlagen.

Die sind begeistert von dieser Band, die in dieser Besetzung zum ersten Mal seit Oktober 2020 wieder spielt – mit einer ungetrübten Spiellaune, die herrlich mitreißend ist. Was sie so unwiderstehlich macht, ist ihre kokette Vielfalt, eine Musik, die in keine Schublade passt und die darum so unglaublich lebendig und leidenschaftlich ist. Mit Riffs und Breaks, schnell wechselnden Akkorden und Tempi, rhythmischem Klatschen und einer tollen Improvisationsfähigkeit erschaffen sie einen ganz eigenen Gypsy-Jazz, eine Weltmusik, die sie mit Swing, Jazz-Standards, Chansons, Ethno-Melodien und Klassik vermischen. Es geht auf Reisen, werden Klangfarben von West nach Ost erkundet.

Mit ihrer eleganten, geschmeidigen Stimme passt sich Frontsängerin Marion, die in ihrem rot geblümten Sommerkleid immer ein Lächeln auf den Lippen hat, allen Stimmungen und Klangfarben an. Man hört traditionelle Melodien des Balkans, eine albanische Melodie mit mäandernder Stimme, die von melancholischen Tönen der Geige leise begleitet wird. Dann fühlt man sich auf dem Boot mit Johnny Depp, der in dem Film „Chocolat“ den Vagabunden der Flüsse gibt. Und tatsächlich gibt es in dem Film ein Stück von Django Reinhardt, jenem Komponisten der mit seinem französischen Swing in den Dreißigerjahren den europäischen Jazz entwickelt hat, den Marion & Sobo-Band gerne aufgreifen.

Aber eben auf ganz eigene Weise. Der „Mo’ Better Blues“ wird zu einer Soul-Nummer voller Esprit und Raffinesse. Sie ist mal funky, mal jazzy, voller Farbe, voller Energie. Da gibt es stimmungsvolle Eigenkompositionen wie „Ein paar Töne“, die im Zug entstanden sind, „Manoir Mouton“, ein Lied, das einen Pariser Stadtteil beschreibt, „Die Badewanne voller Bier“, das an das unbeschwerte Leben erinnern will oder der „Norwegische Tanz“, der in Anlehnung an Edvard Grieg zu einem sinnlichen Sommersong voller Müßiggang wird.

Die Gitarristen toben sich aus, sind zwar nicht Paco de Lucia, aber wirbeln ähnlich intensiv und kreativ über die Saiten. Die Violine macht dem Gypsy-Spiel alle Ehre, der Bass ist freudig flink dabei. Das geht ganz tief hinein – bis in die Blutbahn. Das lässt Aufatmen.