Bericht im Lippstädter Patriot vom 08.11.2021.
Text: Marion Heier, vielen Dank für die Berichterstattung.
Fotos: Peter Hoffmann
Filigranes Zusammenspiel – Herr Meier sein Förde-Trio bringt Publikum zum Beben
Premiere für den Jazzclub, Premiere für die Schankhausdiva: Am Freitagabend erlebten die Jazz-Freunde mit Herrn Meier sein Förde-Trio eine wunderbare Club-Atmosphäre.
Ausverkauft war die obere Etage des Gasthauses, das einen stimmigen Rahmen für das Konzert bildete. Passend zur edlen Musik ein edler Tropfen: Es stimmte einfach alles. Für Lippstadts Akkordeon-Virtuosen Andreas Hermeyer, Wolfram Nerlich (Kontrabass) und Kalle Mews (Schlagzeug) aus Kiel ist das eine perfekte Debüt-Vorlage.
Es ist das Gesamtpaket, mit dem das Trio überzeugt. Und Hermeyer ist blendend drauf, moderiert in seiner ironisch-komödiantischen Art und holt meisterhaft das Blaue vom Himmel herunter, was einige tatsächlich zunächst stutzig macht. Aber das Förde-Trio mit der Callas auf der Jacht von Onassis? Hermeyer beim Tony-Award mit seinem besten Freund Cole Porter? Naja. Derartiges klappt vielleicht im nächsten Leben und ganz ehrlich: Mehr als am Freitag braucht es nicht.
Die drei Musiker beweisen sich als Hochkaräter ihresgleichen, die mit ihrer Performance eine unvergleichliche Nähe zum Publikum schaffen. Gespielt werden Stücke aus der Hermeyer’schen Musikaliensammlung, „Tangerine“ von Tommy Dorsey, „Claire“ von Gilbert O’Sullivan, „Black Orpheus“ von Cole Porter, Art Van Dammes „Ecstasy“, Akkordeon-Schlager von Richard Galliano und Hubert Deuringer aus dem Genre der gepflegten Tanzmusik oder eben Hermeyers Eigenkompositionen. Es ist dieses filigrane Zusammenspiel der drei, die sich immer wieder die Bälle zuwerfen und auf einfühlsame Art und Weise in einem vom Improvisationsgeist gelenkten Spiel der Einmaligkeit des Klangmoments huldigen.
Verstärkt wird das durch die Besetzung mit Akkordeon, Kontrabass und einem einzigen Trömmelchen, einem auf ein Minimum reduziertes Schlagzeug, dessen Klangmöglichkeiten Mews bis aufs letzte auszuschöpfen weiß. Es fehlt an nichts. Er kombiniert Sticks und Besen, schlägt zum Bossa kokett auf die Snares und rührt zum Tango dezent auf dem Fell. Mit einem letzten Schlag „muss er immer das letzte Wort“ haben, so Hermeyer über seinen Mitstreiter, der ansonsten mit Ulrich Tukurs Rhythm Boys unterwegs ist.
Nerlich ist der harmonische Rhythmusmacher. Tango, Blues, Bossa, Swing, Walzer: Er nuanciert, gibt Klangfarbe hinein, zupft und streicht die Saiten, klopft auf seinen Bass. Und natürlich Hermeyer: Er ist der Tastenflitzer vorm Herrn, verbreitet mit typischen „Shakes“ über die Tastatur Pariser Flair oder greift beim argentinischen Tango fest hinein. Register und Bässe weiß er auf den Punkt zu setzen.
Beim Galliano-Tango wird es intensiv, dynamisch, berührend. Und doch: Trotz der musikalischen Komplexität entsteht eine Leichtigkeit, gute Laune, die sich mit Herr Meier sein Förde-Trio sofort überträgt und alle begeistert. Es wurde ein unvergesslicher Jazz-Abend, zwar nicht auf einer Jacht. Die Diva aber war dabei.








