Bericht im Lippstädter Patriot vom 26.02.2022.
Text: Marion Heier, vielen Dank für die Berichterstattung.
Fotos: Peter Hoffmann
Mitreißender Rücksturz in die Fünfziger
Ist das denn Jazz? Egal: The Silverettes begeistern das Publikum in der Markt Deele
Wow, möchte man sagen. The Silverettes – das sind echte Power-Frauen im Sinne von „Das Leben beim Schopfe packen“. Die drei Rockabellas rockten am Donnerstagabend auf Einladung des Lippstädter Jazzclubs die Markt Deele.
Erfrischend emanzipiert bewegen sich die drei Vokalistinnen (und Instrumentalistinnen) Ira, Jane und Honey im Rockabilly-Sound, der gerne von männlichen Kollegen an der Frontline besetzt ist. Doch das Trio räumt auf mit gängigen Klischees. Männliche Unterstützung gibt es aber schon: von Pomez Di Lorenzo, unter anderem bekannt geworden als Songschreiber und Produzent von Sasha bzw. Dick Brave, an der Gitarre.
Ob das heute Abend als Jazz Jazz zu bezeichnen sei, darüber würden „Definitionspuristen vermutlich die Stirn runzeln“, sagt der Jazzclub-Vorsitzende Hermann-Josef Skutnik in seiner Begrüßung. „Aber wir sind alle alt genug zu wissen, dass auch in Nachbars Garten schöne Blumen wachsen und gedeihen“. Und damit hatte er den Nährboden gelegt für einen ausgelassenen Abend.
Anschnallen ist angesagt, so treibend ist der Beat der Silverettes. Die Rockabellas hauen es raus: Im originellen Fifties-Look präsentieren sie in einer mitreißender Performance alte Rock’n’Roll-Songs, ins Rockabilly-Gewand gehüllte Pop-Hits und eigene Songs von ihrem neuen Album „Risky Business“. Die drei Damen punkten dabei mit perfektem dreistimmigen Satzgesang und einer originalen Instrumentierung – Kontrabass, einfaches Schlagwerk und Gitarren. Keine Frage: Die Sängerinnen sind auch versierte Musikerinnen.
Auch wer sich beim Namen The Silverettes an The Supremes & Co. erinnert fühlt, wird nicht enttäuscht. Statt mit Soul spielen sich diese Ladys mit fettem Rockabilly in die Herzen. Sauberen Uptempo-Rock’n’Roll liefern sie in „Wild Love“ oder „So Long“, ein bisschen Blues und Swing und auch Balladeskes kommen zum Vorschein. Und dabei wird durchaus mit Klischees kokettiert. Ohrwürmer sind „Billy The Kid“ und „Get It On“. Als Krönung „No Risk, No Fun“. Passend zum aktuellen Album-Titel.
The Silverettes könnten auch gut als Party-Band durchgehen. Und ein wenig mutet es in der Markt Deele tatsächlich an beim Kneipenfestival, bei dem die Bands auf Tuchfühlung gehen. Das haben The Silverettes hervorragend raus, immer wieder pflegen sie den Kontakt zum Publikum. „Holt alles raus was geht“, rufen sie. „Es passiert so viel Scheiße, genießt das Leben und diesen schönen Abend.“
Die Leute jubeln und gehen beglückt nach Hause.











