Duo Cellcanto am 03.04.2022 im Stadtmuseum Lippstadt

03.04.2022: Duo Cellcanto

Bericht im Lippstädter Patriot vom 06.04.2022.
Text + Bild: Marion Heier, v
ielen Dank für die Berichterstattung.


Violincelli mit vielen Vibes

Celliklänge im Kanonensaal – die bekam das Publikum, das wegen der engen Räumlichkeiten auf gut 50 Besucher beschränkt werden musste, am Sonntagnachmittag im Stadtmuseum zu hören. Das bot Ulrike und Gunther Tiedemann als das Duo Cellcanto die perfekte Kulisse für ihr Konzert, zu dem der Jazzclub Lippstadt geladen hatte.

Mit ihrem Programm „Quer durch den Garten“ ließen die beiden ihr Cello einmal auf ungewöhnliche Weise sprechen. Das durfte sich aus seinem typischen Terrain heraus frei durch alle Epochen und Stilrichtungen bewegen. Wie herrlich war das, zeigte es doch, wie sich das Instrument der Klassik als ein modernes mit wunderbar eigenem Charakter und ganz spezifischen Möglichkeiten behaupten kann.

Diesen Gedanken, Altes neu aufzuarbeiten und in die Gegenwart zu überführen, griff Florian Reimann stellvertretend für den Vorstand auf. In seinem kleinen Plädoyer für den Erhalt des Stadtmuseums appellierte er abschließend an Politik und Gesellschaft, dieses Juwel für nachfolgende Generationen sinnvoll in die Zukunft zu führen. Das war der Musik an diesem Nachmittag schon mal hervorragend gelungen. Das Programm lebt von der Kontroverse und einer lebendigen Vortragsweise des Duos, die das Zusammenspiel von zwei Celli nie langweilig werden lassen.

Was vor allem Gunther Tiedemann aus ihm herausholte, überraschte durchaus. Während der Kontrabass im Jazz eine gestandene Größe ist, ist dies dem Cello nicht vorbehalten. Da zupft, schlägt und slapt Tiedemann zu seiner Eigenkomposition „Plentitüden“ – ein absolut stimmiger Titel, der die Vielfalt des Cello umschreibt. Er nutzt die Saiten für meisterliche Improvisationen, die man sonst auf Gitarren oder Bässen hört. Da gleitet und streicht er über die Saiten, ertönen Flageolettes und Vibrati, wird es jazzy und funky.

Das Duo ist bestens eingespielt. Die „Träumerei“ von Robert Schumann wird zu einer verjazzten Variation mit rhythmischen Versatzstücken und einem so innig gespielten Melodiebogen, der an den „Schwan“ aus Saint-Saens „Karneval der Tiere“ erinnert.

Kontrastreich werden Willem des Feschs Sonate in g-Moll oder ein mehrsätziges Stück von Carl Siegemund Schönebeck, dessen meisten Werke verschollen sind, modernen Arrangements von Sting wie „Hounds of Winter“ und „It’s Probably Me“ oder des Kölner Saxofonisten Charlie Mariano mit dem herrlich leichten „Plum Island“ aus der Kategorie Easy Listening gegenübergestellt. Jazz auf Celli – progressiv und einzigartig.

Das Museum genossen die Besucher im Anschluss bei einer Führung mit Museumsleiterin Dr. Christine Schönebeck und Kaffeetrinken in der Museumsküche.