Bericht im Lippstädter Patriot vom 03.05.2022.
Text: Marion Heier, vielen Dank für die Berichterstattung.
Fotos: Peter Hoffmann
Der geheimnisvolle Klang der Trolle
Beruhigend, aber auch verspielt, melancholisch, experimentell und überraschend – all das ist Nordsnø. Bestehend aus der schwedischen Sängerin Anna Berglund, Vincent Dombrowski an der Querflöte und Saxophon, Ken Dombrowski an der Posaune und Basstrompete, Sandro Sáez am Klavier, Lukas Wilmsmeier an der Gitarre, Vincent Niessen am Kontrabass, Johannes Metzger an den Drums und dem Lippstädter Lukas Schwegmann an der Percussion.
Im schummerigen Licht der blauen Stunde betreten die sieben Musiker die Bühne. Die Stimmung ist gesetzt. Ein wenig geheimnisvoll, mystisch ist es. Vincent Dombroswki lässt das Saxophon knarzen und quietschen wie ein alter Kutter, dessen Bug am Kai kratzt.
Dann erhebt sich die klare Stimme Anna Berglund über das Geräusch mit einer keltisch anmutenden Melodie, der Bass setzt ein, dann die Posaune. Es wird laut, so als ob die nordischen Gottheiten und Trolle aus dem Schlaf erwachten.
Aus der Musik erwächst ein Stück mit feiner Jazznote, doch es bleibt launisch, erfreulich unangepasst und überraschend. Es wechseln Stimmungen und Klangbilder, wird es in „Solveigs Song“ des norwegischen Komponisten Edvard Grieg mystisch-melancholisch
Traurige Stücke wie übersetzt „Die Zeit der Blumen“ über eine Frau, die auf ihren Mann wartet, verbleiben in tröstlicher und hoffnungsvoller Stimmung.
Und da ist das schelmische Aufblitzen, das Verspielte, das Humorvolle: ein Glockenspiel ertönt, es rasselt. Euphonium und Bodhrán setzen dem Sound eins drauf, es wird absolut rhythmisch, schwelgen die Musiker im Takt des Jazz, geben sie sich im Dialog oder im Solo ein Stelldichein.
Feinfühlige Bearbeitung
Mal rauschen die Melodiebögen wie ein Wasserfall, dann werden die Trolle herbei getrommelt. Es sind traditionelle skandinavische Lieder, aber auch Eigenkompositionen, die mit dem Nordsnø Ensemble eine lyrische und feinfühlige Bearbeitung erfahren und so zu abstrahierten, modernen Klangstücken werden. Da quietscht und fiepst es mitunter, bilden sich ungewöhnliche Geräuschkulissen, geht es von der Party zur entspannten Pause über.
Beim „Schneetor“ wird es lässig laut, erhebt sich sogar ein bisschen Bandsound. Der Freitag war für Nordsnø Auftakt ihrer Tournee. Menschenscheu wie Trolle allerdings sind sie gar nicht, das zeigten die sympathischen Musiker im Anschluss beim Treffen im Foyer.









