Uli Stemmler Band am 09.06.2022 im Apollo-Theater

09.06.2022: Ulli Stemmler Band

Bericht im Lippstädter Patriot vom 14.06.2022.
Text + Bild: Marion Heier, v
ielen Dank für die Berichterstattung.


Mit einer ordentlichen Portion Sax-Appeal

Die Ulli-Stemmeler-Band sorgte im Apollo für eine jazzige Sause

Es muss Traditionen geben. Sie geben Halt und Orientierung. So ist das auch mit U.S.B., der Ulli-Stemmeler-Band, die – als lokale Helden in Lippstadt wohlbekannt – beim Jazzclub ihre Aufwartung machte. Das Konzert, zum zweiten Mal in der Clubatmosphäre des Apollo, geriet zur nonchalanten Jazzbudensause. So sehr, dass irgendwann auch keine Zugabe mehr drin war.

Wenn Ulli Stemmeler (Saxophon), Juan Carlos Sabater (Gitarre), Joffrey Bondzio (Kontrabass), Udo Schräder (Schlagzeug) und Christian Daniels (Saxophon) zum Konzert blasen, dann kommt wahrer Jazzgeist auf. Lässig wird da in Alter-Hasen-Manier dem Sound der Bebop- oder Bossa-Nova-Legenden gefrönt. Doch es sind nur selten Stücke von Chet Baker oder Antonio Carlos Jobim, sondern vor allem eigene Kompositionen, die die Musiker anstimmen. Etwa aus der Zeit von Kunstdünger, der Band, mit der Stemmeler in den Siebziger- und Achtzigerjahren in Lippstadt unterwegs war und denen die fünf ihren Improvisationsgeist schenken.

Der nämlich ist es, dem sich U.S.B. ganz und gar verschrieben haben und der zu Zwischenapplaus hinreißt. Es sind Titel wie „Wo ein Ende ist, ist auch ein Anfang“, „Und nachher noch Bananenquark“ oder „Fahrstuhl zum Fagott“ und „Alone Together“, aber auch Klassiker, die wie „You Don’t Know What Love is“ oder „Have You Met Miss Jones“ wohlgefällig und balladesk in der Melodie und doch so einzigartig „free“ in der improvisatorischen Ausgestaltung sind.

Es gibt keinen Frontmann, Stemmeler aber führt Regie und gibt immer wieder Handzeichen. Alle sind sie Improvisateure vom Fach, alle haben sie ihren eigenen Stil entwickelt, der sich mal in verspielt schnörkeliger Gangart, im nuancenreichen Spiel verliert oder mit einer ordentlichen Portion Sax-Appeal auffährt. Lässig wechselt da Stemmeler zwischen Bass- und Sopransaxophon, um souverän zur melodiösen Impro anzusetzen, nach der er geschmeidig zum Thema und seinem Team zurückfindet. Daniels bewegt sich flüssig durch die Scales, während Sabater und Bondzio detailverliebt akzentuieren. Schräder ist eine präzise Rhythmusmaschine, eine, die auf den Punkt knallt und alles zusammenhält. Das holt so manch einen Zuhörer vom Sessel. Das Publikum ist sogar tänzerisch dabei, favorisieren U.S.B. doch den Bossa Nova, der sich durch seine raffinierte Leichtigkeit auszeichnet.

Apropos Sessel: Für einige Jazzfreunde, die die urige Atmosphäre der Werkstatt in Erinnerung haben, ist der größere Apollo-Saal mit seinen Sitzgruppen etwas gewöhnungsbedürftig. Doch hat er sich auch beim zweiten Konzert sowohl in der Beurteilung der Künstler als auch akustisch und vom Service her als Veranstaltungsort bewiesen.