06.08.2023 Bad Temper Joe im Atelier T8

06.08.2023: Jazz & Bike mit Bad Temper Joe

Bericht im Lippstädter Patriot vom 08.08.2023.
Text: Marion Heier, v
ielen Dank für die Berichterstattung.
Fotos: Peter Hoffmann 


Bad Temper Joe begeistert in Dedinghausen mit dem Blues

Tja, alle Achtung: Wer aus Ostwestfalen und dann noch aus einer Stadt kommt, die es eigentlich nicht gibt, für den hängt die Messlatte hoch. Mit seinem Bielefeld-Scherz regte der Jazzclub-Vorsitzende Hermann-Josef Skutnik zum Konzertauftakt mit Bad Temper Joe in Dedinghausen zum Schmunzeln an – zumindest, was die Begeisterungsfähigkeit eines westfälischen Publikums angeht. Doch Bad Temper Joe setzte an und entzückte sein Publikum.

Nur ein paar Töne und man sitzt tief drin im Mississippi-Delta, auf der Veranda mit dem Schaukelstuhl mit Blick auf sumpfiges, nebliges Gelände und Krokodilmäulern. Stimmungsvoll wird es in der Kulturscheune T8 in Dedinghausen, die Austragungsort des Jazz & Bike-Sommerfests ist.

Doch stimmiger könnte die Atmosphäre nicht sein. Bad Temper Joe ist der passende Musiker für den Ort. Und der Bielefelder ist da einige Locations gewohnt. Ein Schiff ist das T8 nicht, dafür aber ein Ort der Kreativität, der einlädt, sich zur Musik fallen zu lassen.

Mit Hut und langen Haaren sitzt er da, ganz allein ohne seine Band und schafft es, mit Gitarre und Stimme einen vollen Sound zu kreieren, der eintauchen lässt in seine Musik. Der starke Beat lässt Kopf und Körper mitwippen – in den Balladen mit nahezu meditativer Wirkung. Viele schließen die Augen und versinken in seinem Spiel, das sich verlässlich im Blues-Schema und seiner Pentatonik bewegt.

Atmosphärisch blitzen Leonard Cohen, Lou Reed oder Johnny Cash sowie weniger typische Blues-Legenden wie John Lee Hooker oder B.B. King durch. Das hängt vor allem mit seiner rauen Stimme zusammen.

Authentische Musik in hoher Qualität

Im Programm hat Bad Temper Joe Stücke aus seinen Alben wie der aktuellen Einspielung „Glitter & Blues“. Seinen Saiten-Sound kreiert er mit dem typischen Bottleneck-Slider am Zeigefinger. Manchmal legt er die Gitarre auch auf den Schoß und bespielt sie wie eine Zither. Er schlägt den Rhythmus, gleitet über die Saiten in typischen Blues-Stil und zaubert einen Groove. Dabei spielt Bad Temper Joe in hoher Qualität authentische Musik.

Typische Blues-Texte im „I woke up this morning“-Stil gehören dazu. Schließlich lebt der Blues von Erzählungen in der Ich-Form.

Seine selbst komponierten Songs sind zeitgenössisch. Sie verbleiben aber auch in der Tradition des klassischen Mississippi-Blues. Nur einmal spielt er einen nicht gleich ersichtlichen Cover-Song – und erhält dafür den meisten Applaus, was ihm zu denken gibt.

So ein bisschen Rüdiger Hoffmann schimmert in seiner Moderation durch. „Vielen Dank“ kommt da zwar schnöde westfälisch daher, aber auch mit jener liebevollen Ironie, die das Gegenteil beabsichtigt.

Bad Temper Joe begeistert – auch die internationale Fachwelt. 2020 behauptete sich der Ostwestfale im Finale der International Blues Challenge in Memphis. Nächstes Jahr will der Blues-Barde mit seiner Musik auf Kreuzfahrt gehen. Portugal, England, Karibik. Rückkehr nicht ausgeschlossen. Wer soll sonst den Westfalen den Blues lehren?