29.11.2022: Bluff im Jazzclub Lippstadt

29.11.2022: Bluff

Bericht im Lippstädter Patriot vom 02.12.2022. Text: Helga Wissing.
Vielen Dank für die Berichterstattung. Fotos: Peter Hoffmann 


„Wir verarschen euch heute“ Was sonst sollte man von einer Jazzband namens Bluff auch erwarten?

Die vier jungen Musiker nennen sich Bluff und sind alles andere als das. Nämlich ein richtig starkes Jazzquartett, das, eingeladen vom Lippstädter Jazzclub, das Publikum auf der Studiobühne begeistert. „Wir sind Bluff und wir verarschen euch heute“, stellt Tim Scherer seine Band vor und macht schon damit klar, dass man es hier mit keiner etablierten, klassischen Jazzcombo zu tun hat, die seit Jahrzehnten die Bars und Bühnen beackert.

Scheinbar mühelos und gleichzeitig mit beeindruckendem Können, das jeder Einzelne später auch in einigen Soli an seinem Instrument demonstriert, lassen die vier das Publikum schon nach wenigen Minuten nicht mehr stillsitzen. Da wird im Rhythmus genickt, mit den Füßen gewippt und immer wieder auch applaudiert. Zu Recht.

Tim Scherer moderiert nicht nur im lässigen Plauderton, sondern beherrscht den Flügel ebenso hervorragend wie sein E-Piano. Christian Höhn trompetet zum Niederknien und entleert auch mal selbstbewusst die bei so viel musikalischem Enthusiasmus gesammelte Spucke auf der Bühne. Luca Kolbe spielt seinen Bass mit ganz viel Hingabe und Jan Bernard Zeimetz gibt seinen Kollegen nicht nur auf den Punkt den Rhythmus vor, sondern sich selbst zwischendrin mit geschlossenen Augen dem eigenen Spiel hin.

Es ist ein Vergnügen, den vier Musikern aus Hamburg zuzuhören und zuzusehen. Kaum zu glauben, dass sie erst seit drei Jahren zusammen auftreten. Alle Stücke haben sie selbst komponiert, sich ab und zu auch von großen Vorbildern wie Ambrose Akinmusire und Immanuel Wilkins inspirieren lassen. Es sind sehr melodiöse Stücke, kraftvoll und emotional, angelehnt an den zeitgenössischen Jazz. Dabei richten sie den Blick auf die Entwicklungen des New-York-Jazz, wie sie von sich selbst sagen.

Inspiration ist erwünscht und erlaubt. „Man nennt es auch geklaut“, gibt Tim Scherer entwaffnend fröhlich zu. Er hat sich für seine schöne Ballade „Slump“ gleich von vier verschiedenen Künstlern inspirieren lassen, unter anderem von dem amerikanischen Pianisten Keith Jarrett. Doch seine „Anleihen“ hat er wunderbar neu arrangiert und ihnen einen ganz eigenen Stempel aufgedrückt.

Den Respekt vor den „Großen“ drücken die Hamburger Musiker auch mit einer Hommage an den Jazzschlagzeuger und Komponisten Brian Blade aus. „Blaze Blade“ heißt das Stück, geschrieben von Jan Bernard Zeimetz.

Am Ende ist der Applaus riesig, erst nach zwei Zugaben können sich die ambitionierten Musiker endgültig verabschieden. Ihr Fankreis dürfte sich vergrößert haben.