Bericht im Lippstädter Patriot vom 15.02.2023.
Text: Marion Heier, vielen Dank für die Berichterstattung.
Fotos: Peter Hoffmann
Die Weite Islands in Musik verpackt
Musikalisch einmal rund um Island ging es mit Lars Duppler und Stefan Karl Schmid in der Lippstädter Jakobikirche. Das Jazzclub-Konzert bot eine ganz besondere Klangerfahrung.
Die Hälfte ihrer Zeit verbringen Lars Duppler (Klavier) und Stefan Karl Schmid (Saxofon, Klarinette) auf Island. Die knapp 1.300 Kilometer lange Küstenstraße B1 inspirierte die Kölner Musiker zu Stücken, die die ursprüngliche Landschaft der Insel beschreiben. Die haben sie in ihrem Album „Hringfer“ festgehalten, aus dem sie am Samstag einige Titel vorstellten. In ihrem Rundumschlag wird deutlich, was die beiden Musiker mit ihrem Lieblingsland verbindet: die Freiheit und die Weite des Raumes erleben zu dürfen.
Gelassen und losgelöst von jedem musikalischen Korsett kreieren sie eine Musik, die sich keinem wirklichen Genre zuweisen lässt. Kein Swing, kein Bebop, kein Free Jazz – es ist eine ganz unprätentiöse Form der Musik, die sich gleichsam meditativ in die Hirne schleicht. Und Bilder aufziehen lässt von einer Landschaft, die sich ganz selbstverständlich und allem überlegen ihren Weg bahnt.
Da fließt es nur so dahin. Wie in Smetanas „Moldau“ entwickelt sich auch hier ein Bächlein zum Strom, allerdings außerhalb eines bekannten Harmoniegerüsts. Obwohl die Stücke durchkomponiert sind und man sich manchmal fragt, was davon jetzt Komposition und was Improvisation ist, sind sie lebendig und unangestrengt aufregend. Da werden ganz viele musikalische Elemente verbaut.
Lars Duppler bildet mit seiner Rhythmen-Vielfalt am Klavier die Basis für Schmid, der mit einer Vorliebe für rauschige Subtones viel Atmosphäre zaubert. So geht es weg von der gewohnt akustischen Hörerfahrung der Klarinette und Saxofone hin zu einer emotionalen Imaginationsreise.
Die oft isländischen Titel der Stücke treten in den Hintergrund. Vielmehr geht es um die Klangmalerei, den Reichtum an Klangfarben, mit denen die beiden einen bildgewaltigen und dynamischen Bogen von traditioneller, isländischer „Rimur“ bis hin zu den feinsinnigen Eigenkompositionen spannen.
Von „Nuranimur“ über „Transformation of a Star“ und „Weiße Schatten“ geben sich die beiden, die in ihrer Spielweise ein wenig an Keith Jarrett und Jan Garbarek erinnern, ganz international. In „Sadness“ erklingt eine leichte Melancholie, die aber in seinem Inneren Fröhlichkeit erwecke, versucht Schmid die vielschichtige Wirkung der Musik zu erklären.
So ist es wohl auch, die isländische Natur zu erleben. Es wird von rauschig-leise plötzlich ungestüm in der „Laufgeschwindigkeit“, vom satten Grün der Wiese geht es zum tosenden Wasserfall. Da fängt Duppler ihn rhythmisch immer wieder ein. Die beiden sind präzise aufeinander abgestimmt, die Schlussakkorde sitzen perfekt. Wer die Augen schließt, kann eine musikalische Massage erfahren. Doch ist diese Klangerfahrung nicht für jeden etwas. Einigen ist sie zu undefiniert, nicht greifbar genug.
Nur drei Stunden hat es gedauert, das Album in Koproduktion mit dem Deutschlandfunk in Köln aufzunehmen, was zeigt, wie spontan und selbstverständlich das so nuancierte Zusammenspiel der beiden ist. Noch in dieser Woche wagt das Duo eine Aufnahme in einem Schwimmbad, das zum Tonstudio umfunktioniert wird. Auch das dürfte eine komplett neue Klangerfahrung werden.
Da darf man gespannt sein auf eine neue Entdeckungsreise von Lars Duppler und Stefan Karl Schmid.













