Bericht im Lippstädter Patriot vom 21.06.2023.
Text: Marion Heier, vielen Dank für die Berichterstattung.
Fotos: Peter Hoffmann
Jazz-Klangperlen in der Dunkelkammer: Caris Hermes im Kunstverein
So richtig schöner Jazz war es, den Caris Hermes & Friends am Samstagabend beim Jazzclub-Konzert in den Räumen des Lippstädter Kunstvereins zelebrierten. Allerdings unter recht ungewöhnlichen Bedingungen. Aber alles möchte einmal ausprobiert sein, um erinnerungswürdig zu werden.
Musik gemacht wird von der Bühne im hinteren fensterlosen Bereich der Galerie am Bernhardbrunnen, der sonst für digitale oder mit künstlichem Licht arbeitende Projekte gedacht ist. Mit drei Strahlern ausgeleuchtet präsentiert sich hier die Band um die in Lippstadt aufgewachsene Wahlkölnerin Caris Hermes, die mit ihren befreundeten Kollegen ein wie eine sommerlicher Brise anmutendes Heimspiel hinlegt.
Ungewöhnlich auch die Positionierung des Publikums. Es sitzt einmal auf gleicher Ebene oben mit der Band und auf der anderen Seite ein paar Stufen niedriger im Besucherraum. Akustisch ist dies ein kleines Experiment, die Band quasi in einer Dunkelkammer in Studio-Aura zu erleben, und wer mehrere Positionen ausprobiert, kann feine Unterschiede spüren.
So ungewöhnlich und neu die Raumsituation, so erquickend die Musik, die alle glücklich macht. Im Programm: Caris Hermes’ selbstbetiteltes Debütalbum, in dem sie dem Standard-Jazz frönt und ihm im feinfühligen „Straight Ahead“-Modus die Krone aufsetzt. Und „on top“ die ganz persönlichen Geschichten, die zeigen, dass die sehr sympathisch und unprätentiös daherkommenden 31-Jährige bereits als Sandkastenkind musikalisches Talent bewies, indem sie die Tonleitern ihres am Saxofon übenden Vaters, des Musikschullehrers und Jazzmusikers Dieter Hermes, spielerisch ergänzte.
Und die nicht locker ließ, weil sie nach dem Cello unbedingt Kontrabass spielen wollte. Ungewöhnlich für ein Mädchen. Heraus kam eine Profimusikerin, die an der Folkwang-Hochschule in Essen studierte und nun an vielen ambitionierten Projekten arbeitet.
Im Kunstverein ist sie mit ihren vertrauten Musikerkollegen am Start, die den Hermes-Groove liebevoll umzusetzen wissen. Mit Tim Bücher an der Gitarre, Philipp Schittek an der Posaune und Karl F. Degenhardt am Schlagzeug gelingt ein Jazz-pur-Paket, das vom leisen Bossa-Swing eines Antonio Carlos Jobim bis hin zu eigenen Interpretationen und Arrangements zu Stevie Wonders „As“ oder Duke Ellington „Satin Doll“ reichen.
Bemerkenswert sind aber vor allem ihre Eigenkompositionen wie „Abeyance“ oder „Extraordinary People“, in denen Hermes ihren musikalischen Kompass ausrichtet. Vom traditionellen Swing-und Standard-Jazz inspiriert, entstehen moderne, fein nuancierte Jazz-Klangperlen, die sich stimmungsvoll durch den Raum bewegen und in das emotionale Zentrum einbrennen.
Tim Bücher bringt in seinen Gitarrensoli ein wenig Jimi-Hendrix-Flair rüber, oft aber bestimmt Schittek an der Posaune die warme Klangfärbung der Titel, die Balsam für die Seele sind. Caris Hermes selbst ist treibende Kraft, spielt den Walking Bass, bleibt jazzy, wird funky und entfaltet dabei die große Spannweite ihres Instrumentes. Ergänzt durch das Schlagwerk Degenhardts, der Besen und Sticks äußerst sensibel einzusetzen weiß, entsteht ein lebendiger Caris-Hermes-Sound, aus dem rhythmisch und melodisch eines immer rauszuhören: Harmonie. In den Stücken und zwischen den Musizierenden.
Ein Stück für die lieben Eltern gibt es auch. Die guten, hellen Schwingungen wirken noch lange nach. Was gibt es Schöneres, als so in den meteorologischen Sommeranfang entlassen zu werden?











