Bericht im Lippstädter Patriot vom 22.11.2023.
Text: Marion Heier, vielen Dank für die Berichterstattung.
Fotos: Peter Hoffmann
Ein perfektes Jazz-Erlebnis: Soulcrane & Strings
Der Jazzclub Lippstadt beweist immer wieder viel Geschick bei der Auswahl echter Jazzperlen. Was das Publikum am Sonntagabend in der Jakobikirche erleben durfte, war einzigartig. Soulcrane & Strings verblüfften mit mehr als – wie es in der Ankündigung stand – „atmosphärisch dichtem Kammerjazz“.
Das, was die Band um Bandleader und Trompeter Matthias Schwengler da zelebrierte, war ein einmaliges, sehr persönliches Konzert, das aus tiefster musikalischer Hingabe heraus erwuchs. Das darf man wohl getrost sagen, dass das um ein kammermusikalisches Quintett erweiterte Quartett Soulcrane durchaus einem Vergleich mit Till Brönner standhält.
Schwengler ist aber auch ein so sympathischer Mensch, der es, in Karohemd und T-Shirt fest im Entspannungsmodus verankert, leicht macht zuzuhören. Wenn ein Musiker selbst die Augen schließt, dann ist richtig gute Musik angesagt, Musik, die spürbar wird, die durchdringt.
Authentizität und Einmaligkeit sind auch der Zusammensetzung der Band geschuldet, die um eine Violine, eine Viola und zwei Celli ergänzt wurde. Allein diese Kombination von Klassik und Jazz in einem kleinformatigen Konzert auf die Bühne zu bringen, ist schon ungewöhnlich. Dazu ist Schwengler ein feinfühliger, sinnlicher Mensch, der seine Wesenszüge auf das Spiel an Trompete und Kornett zu übertragen vermag. Da wird es so atmosphärisch, so beweglich und melodiös, dass es einem unweigerlich durch die Amygdala fährt.
Und wenn dann auch noch John Ruocco, gebürtiger US-Jazz-Saxofonist und Klarinettist aus den Niederlanden, als Special Guest mitspielt, ist das Jazz-Erlebnis perfekt. Gerade einmal vier Tage lang hatten die Musiker, die in irgendeiner Form mit Ruocco als Studenten oder Musiker in Berührung gekommen waren, mit ihm gespielt. Unter dem dezenten Dirigat Schwenglers bietet sich ein achtsames Zusammenspiel, das die Kompositionen in einen warmen, leicht mystischen und verklärten Klangkolorit tauchen.
Es ist ein großartiger Raum für Improvisationen. Wie herrlich gleiten da Schwengler und Ruocco in kontrapunktischer Parallelität durch die Blue-Note-Tonarten. Wie sanft gestalten sich da die Übergänge der schwelgenden Streicher zur New-Jazz-Band, die mit leisen Tönen den Spielball auffängt.
Es sind Kompositionen von Schwengler, dem Gitarristen Philipp Brämswig und dem Kontrabassisten Reza Askar, der just mit dem 1. Oktober seine Professur an der Würzburger Uni antrat, die auch auf dem aktuellen Album zu finden sind. Sie tragen Titel wie „From West Coast To East Coast“, „Pirin’s Pearls“, „Barley Wine“ oder „Mariya And Her Stout“ und widmen sich der Leidenschaft des Bierbrauens, vergnüglichen Tastings entlang der Londoner Kanäle oder einer morgendlichen Wanderung auf bulgarische Gipfel. All das ist echt erlebt und wird in sinnliche Musik verpackt. Berührend ist „Maex“, ein aus fragilem Notenwerk und melancholischer Stimmung kreiertes Stück, das Askari einem verstorbenen Freund gewidmet hat.
Die Band wird mächtig gefeiert, und nicht nur wegen des Werbebeblocks gehen dann auch einige Alben weg.











