Bericht im Lippstädter Patriot vom 06.02.2024.
Text: Andreas Balzer, vielen Dank für die Berichterstattung.
Fotos: Peter Hoffmann
Runter von den Stühlen, jetzt wird gegroovt: Cosmo Klein im Jazzclub
Ja, ist das denn Jazz? Egal! Cosmo Klein & The Campers mischen den Apollo Klub mächtig auf
Die Luft knistert schon lange bevor die erste Note erklingt. Das Gloria, der Club des Lippstädter Apollo Klubs, platzt aus allen Nähten. Nicht nur die Sitzplätze sind belegt, auch hinten, an der Seite und neben der Bühne ist kaum ein Durchkommen.
Die Partystimmung hat ihren Grund: Cosmo Klein, geboren in Lippstadt und aufgewachsen in Anröchte, ist im Jazzclub zu Gast. Das Heimspiel ist auch für den 45-jähringen Wahl-Berliner ein besonderer Abend. Mama und Papa sind da. Und die allererste Liebe auch. „Ich bin ein bisschen aufgeregt, es sei mir verziehen“, bekennt der Sänger freimütig.
Von Lampenfieber ist allerdings nichts zu spüren, als Cosmo und seine Begleitband The Campers loslegen und mit der Funk-Attacke „Like Mama Said“ gleich in die Vollen gehen. Der Sound fährt einem dermaßen in die Beine, dass man sich spontan fragt, was eigentlich die ganzen Stühle hier sollen. Cosmo gibt dabei selbst den Takt an: The Campers seien entstanden, weil er immer schon mal eine Band haben wollte, die in sein Wohnmobil passt, erzählt der Sänger. Da gab es allerdings nur Platz für drei, also übernahm er kurzerhand selbst das Schlagzeug.
Ein Sänger an der Schießbude ist nicht immer ein Garant für eine mitreißende Show. Doch hier funktioniert die Sache wunderbar, zumal das Schlagzeug nicht hinter der Band versteckt ist, sondern Cosmo inmitten seiner Mitstreiter mit direktem Blick zum Publikum sitzt.
Dass Cosmo Klein ein wirklich außergewöhnlicher Sänger ist, hat er schon bei zahlreichen Lippstädter Konzerten unter Beweis gestellt. Mühelos switcht er zwischen den Genres, wechselt von warmem, emotionalen Soul zu höchsten (aber nie nervigen) Funk-Tonlagen, und bleibt doch immer ganz er selbst.
Aber ist das auch Jazz? Na ja, nicht so richtig, auch wenn das Programm „Jazzdisco“ überschrieben ist. Aber dann doch viel mehr, als man zunächst denkt. Etwa beim zweiten Song „Hold On“, einem langsamen, aber einen mächtigen Sog entwickelnden Stück vom Phunkguerilla-Album „Kingdom on Fire“, das Saxofonist Marc Doffey mit einem sehr jazzigen Solo veredelt.
Überhaupt hat der Sänger eine ziemliche beeindruckende Combo um sich versammelt. Gitarrist Hanno Busch schlägt zum Beispiel sonst bei Jan Delay die Saiten. Trompeter Florian Menzel, der mit Doffey für einen äußerst druckvollen Bläsersound sorgt, ist aktuell im Soundtrack von „Babylon Berlin“ zu hören. Und Claus Fischer, der wieder einen sehr prägnanten Bass spielt, ist sowieso eine absolute Szenegröße und außerdem Cosmos fester Partner bei der Phunkguerilla.
Cosmo Klein & The Campers schließen dann auch nahtlos an das Vorgängerprojekt an. Neben Songs vom Campers-Debüt „Soul Fiction“, wie dem heftig groovenden „Right Here Right Now“, gibt es jede Menge Phunkguerilla-Songs wie das hibbelige „Why“ oder das stimmungsvolle „Short Story Life“. Die Demokratie-Hymne „Kingdom on Fire“ nutzt Cosmo zu Seitenhieben gegen seinen ins Verschwörungstheoretische abgedrifteten Kollegen Xavier Naidoo. Wenn der AfD-Kanzler würde, müssten alle vor der Arbeit „Dieser Weg“ singen. „Das ist eine Horrorvision. Dafür lohnt es sich wirklich auf die Straße zu gehen, meine Damen und Herren!“ Dazu kommen locker eingestreute Klassiker: eine wirklich mitreißende Version von Otis Reddings „(Sittin’ On) The Dock of the Bay“ und „I Feel for You“ von Prince.
Bei allen unterschiedlichen Facetten wirkt alles wie aus einem Guss, ist zugleich superentspannt und hochkonzentriert, lässig und exakt auf den Punkt. Das Publikum hält es nicht lange auf den Sitzen. Es groovt und singt mit, was das Zeug hält. Was für ein fantastischer Abend!















