19.04.2024: Juliana Blumenschein Band im Apollo-Theater Lippstadt (Header)

19.04.2024: Juliana Blumenschein

Bericht im Lippstädter Patriot vom 23.04.2024.
Text: Marion Heier, v
ielen Dank für die Berichterstattung.
Fotos: Peter Hoffmann 


Im Lippstädter Jazzclub: Die heilende Kraft des Bossa nova

Juliana Blumenschein und ihre Band brachten Sonne in das Jazzclub-Konzert im Apollo

Das Publikum ist in Klatschlaune, aber eine dritte Zugabe gibt es dann doch nicht mehr beim Jazzclub-Konzert. Die deutsch-brasilianische Sängerin Juliana Blumenschein und ihre Band haben tatsächlich schon genug Sonnenschein ins Lippstädter Apollo gebracht. Aber man kann‘s ja mal probieren, wenn man nicht genug kriegen kann von der luftig-leichten und zugleich empfindsamen Musik.

Die Bühne in der Nähe, hat es sich das Publikum in Sesseln, an Bistrotischen und auf Barhockern bequem gemacht hat. Es lauscht erst mal. Vollkommen unprätentiös und natürlich gibt sich Juliana Blumenschein in ihrer geblümten Sommerhose, umgeben von ihren Musikern, mit denen sie aus Mannheim angereist ist. Es sind Arrangements und Eigenkompositionen, die sie vortragen, auch allererste Kompositionen, die ihre magische Wirkung nicht verloren haben. Darunter sind Titel wie – übersetzt – „Zu Sand geworden“ oder „A vida“ und das Lied, das die Brasilianer wie eine Hymne mit der Muttermilch aufgesogen haben: „Eu So Quero um Xodo“ von Dominguinhos.

Da geht im Herzen die Sonne auf, lassen sich zumindest in der Fantasie Sonne, Strand und Meer herbeizaubern. Juliana Blumenschein wird unterstützt von Florin Küppers an der E-Gitarre, Jan Dittmann am Kontrabass und Johannes Hamm am Schlagzeug. Das Ensemble kennt sich nicht nur aus dem Studium, sondern pflegt die Liebe zu Brasilien, das einige von ihnen immer wieder für längere Zeit aufsuchen, um Freunde zu besuchen.

Die familiäre Atmosphäre lässt sich auch im Apollo Klub ausmachen. Die Eltern des Schlagzeugers sind auch angereist. Persönlich und intensiv wird es in „Silver Lining“ oder in Kompositionen wie „Forever More“, das Juliana Blumenschein im Andenken an ihre verstorbene Mutter geschrieben hat. Minimal gesetzt, schwebt eine leichte Melancholie durch den Raum, die von liebevoller Heiterkeit begleitet ist.

Mit „Salvador“ folgt eine Ode an die Stadt, die die Sängerin immer wieder besucht. Diesen Song hat sie nun auch dort im Studio aufgenommen. Er komme, mit Cello und Flöte instrumentiert, in etwa zwei Monaten raus, wirbt sie. CDs hat sie gar nicht erst mitgebracht. Erstens sind die ausverkauft, und zweitens läuft eh alles über Streaming.

Die Sehnsuchtslieder, der typische Bossa-Rhythmus und brasilianische Swing sind immer wieder von Einflüssen des R&B und Jazz durchzogen. Im Dialog mit ihren improvisierenden Musikern scattet Juliana Blumenschein gerne, lässt sie die Musik den Körper durchfluten. Viele swingen auf den Sitzen mit.

Im zweiten Set wird es tiefgründiger. Juliana Blumenschein singt von der Zeit der Pandemie, in der sie die Zuhörer an den Strand beamt, in „Sea Calm“ frönt die Band ihrer Improvisationslaune, vor allem Dittmann am Bass. Ganz weit weg trägt der Gesang des Heilkräuter-Gottes mit seiner heilenden Kraft der Klänge. „Du tanzt, ich tanze, wir tanzen den Tanz der Einsamkeit“ – solche Zeilen erklingen im Duo mit dem Gitarristen, in dem der Soul der wenigen Töne sich unplugged in die Herzen bahnt.

Die Mannheimer begeistern mit einem um viele Genre erweiterten Bossa nova, der das pralle Leben widerspiegelt auf eine positive Art und Weise, die Energie tanken lässt. „Da war sehr viel Schönes dabei“, kokettierte der Jazzclub-Vorsitzende Hermann-Josef Skutnik abschließend. So lässt es sich lachen.