Bericht im Lippstädter Patriot vom 07.05.2024.
Text: Marion Heier, vielen Dank für die Berichterstattung.
Fotos: Peter Hoffmann
„Sie erleben etwas Historisches“: das Ensemble Vinorosso im Lippstädter Stadttheater
Ganz um den Globus ging es im Jazzclub-Konzert des Ensembles Vinorosso zwar nicht. Doch im Geburtstagskonzert „20 Jahre Weltmusik“ gab es spannende Einblicke in die Vielfalt und die musikalischen Besonderheiten vor allem europäischer Musikkulturen.
„Sie erleben etwas Historisches“, kündigt der Vinorosso-Gründer und Klarinettist Florian Stubenvoll gleich zu Beginn an. Denn an diesem Abend gibt es nicht nur ein Konzert. Es wird auch das Live-Jubiläumsalbum zum 20-jährigen Bestehen der Weltmusik-Formation aufgezeichnet.
Das Stadttheater erlebt einen hochvirtuosen Abend mit komplizierten Taktarten, exotischen Skalen und selten gehörten Instrumenten. Die Stand- und Richtmikrofone flößen offenbar dem Publikum und wohl auch dem Ensemble ein wenig Respekt ein. Doch trüben die Konzentration der Musizierenden aufs Notenwerk und ein zögerliches Applaudieren des Publikums – man will ja die Aufnahme nicht zerstören – nicht die virtuose Spielfreude des Ensembles.
Liebe zur Musik des Balkans
Die Liebe und Leidenschaft zur Musik des Balkans und der Welt spiegeln sich in der Zusammensetzung des Weltorchesters wider. Die Musikerinnen und Musikern kommen aus Armenien, Bulgarien, Chile, Deutschland, England, Frankreich, Japan, Mazedonien, Russland, der Schweiz, Serbien, der Türkei oder Ungarn. Gespielt werden drei Sets mit unterschiedlicher Gewichtung.
Bereits im ersten Stück „Wellenreiter“, das Titel des Albums werden soll, kommt all das zusammen, was Weltmusik ist. Da werden Walgesänge und Möwen imitiert, bahnt sich schon bald die Leidenschaft ungerader Taktarten Bahn, die man aus dem Klezmer kennt.
Die Musik, die ihren Ursprung im osteuropäischen Raum hat, ist wie das Motto des Abends und taucht mit seinem eingängigen Rhythmus immer wieder auf. Florian Stubenvolls Klarinette hat als Leitinstrument des Klezmers großen Anteil daran. In Kombination mit den Holzblasinstrumenten Fagott und Oboe und Streichern reift eine warme Klangfarbe heran, die sich in Verbindung mit dem Orchester, seinen Blechbläsern und dem Schlagwerk, zu einem kleinen Fest der Harmonien entwickelt, das an große Filmmusik erinnert. Mal ist es eine leichte Melancholie, die die Pianistin Eva Röbers im weiten Legato ausspielt, dann ein von Stubenvoll an der Klarinette mit treibenden Stakkati angefeuertes freudvolles Feiern, an dem Vinorosso seine klangvolle Farbenpracht demonstriert.
Rhythmisch absolut tanzbar
„Floating Through Eternity“ ist so ein Stück, in dem das von einem Streicherteppich unterlegte Klavier ein durch das All schwebendes Raumschiff hörbar macht. Die Affinität zum Balkan wird in Stücken wie dem „Tara-Tango“ deutlich. Rhythmisch absolut tanzbar lassen sich darin Anleihen an Astor Piazzolla heraushören, in der „Marsch-Melange“ sind es asiatische Orchesterklänge.
Die Musiker verquicken Jazz und Klassik mit unterschiedlichen Genres. Immer wieder blitzt der volkstümliche Charakter der Stücke hervor, sorgen temperamentvolle Glissandi für ordentlichen Schwung. Untermalt wird dies durch die seltene Instrumentierung. Maja Hunziker spielt auf der Strohgeige – einer Trompetengeige – , Eva Röbers auf dem E-Cemballo, Stubenvoll auf einer Metallklarinette. Folkloreinstrumente wie Domra und Akkordeon, Dudelsack und Cajón kommen zum Einsatz.
Mit Vinorosso auf der Welle der Vielfalt der Musik – so kann man den Titel des neuen Livealbums interpretieren, das ab Ende September zu hören ist.
















