05.06.2024: Keith Dunn und Klaas Wending im Apollo-Thetater Lippstadt

05.06.2024: Keith Dunn & Klaas Wendling

Bericht im Lippstädter Patriot vom 07.06.2024.
Text: Dietmar Gröbing, v
ielen Dank für die Berichterstattung.
Fotos: Peter Hoffmann 


Die zelebrierte Lust am Leiden: Bluesduo begeistert im Lippstädter Jazzclub

Melancholie und Leidensfähigkeit sind von jeher Triebfeder für Kunstschaffende jeglicher Coleur. Manche behaupten gar, dass echte Kunst ohne Leiden nicht möglich ist. Pflichtet man jener These bei, erleben die Besucher des Apollo Klubs am Mittwoch Kunst aus der obersten Schublade. Denn kaum jemand leidet so schön wie Keith Dunn und Klaas Wendling.

Der US-Amerikaner und der Deutsche bilden ein Bluesduo, das das ureigene Wesen der Spielart in breitenwirksame Unterhaltung verwandelt. Das schafft nicht jeder, handelt es sich beim Blues doch um einen Klagegesang, der nicht zuletzt von Themen wie Entbehrung und Trauer handelt. Nicht umsonst ist jemand, der „den Blues hat“, in tieftrauriger Stimmung. Nicht für immer, aber für den Moment.

Keith Dunn und Klaas Wendling sind zwei Stunden lang traurig und bewirken damit durchweg Heiterkeit bei ihrer Zuhörerschaft. Das ist zwar ein Paradoxon, aber dennoch wahr. Während die Künstler (im übertragenen Sinn) die Lust am Leiden zelebrieren, ist das Publikum fröhlich. Wie das gelingt? Indem man die innewohnende Melancholie in zwölf Takte und drei Akkorde übersetzt.

Das Gerüst eignet sich prächtig zur Körperertüchtigung. Füße bewegen und Hüften schwingen. Und den Kopf nicht vergessen. Obwohl man den eigentlich ausschalten sollte, wenn Dunn und Wendling in die Tasten hauen. Dabei haben sie gar keine Tasten. Nur Saiten, Stimmbänder und Harmonika.

Das reicht, um der Veranstaltungsreihe des Jazzclubs ein weiteres Highlight hinzuzufügen. Auch der Werner-Bohrer-Kreis trägt sein Scherflein bei, ist er doch zu gleichen Teilen in das Zustandekommen der Veranstaltung involviert.

Der größte Dank gebührt indes den Anwesenden – rund 100 Jazzfans, die dem Geschehen den passenden Rahmen verleihen. Sie sind mehr als anonyme Wesen im Halbdunkel, nehmen sie doch sichtlich Anteil am Treiben der Musiker, spenden Applaus, hören aufmerksam hin und scheinen Empathie walten zu lassen, als Keith Dunn und Klaas Wendling von emotionalen Verirrungen und fragilen Lebensentwürfen erzählen.

Zum Beispiel in Form des Titels „Who do you love?“ Das beschriebene Oszillieren zwischen mehreren Liebhabern macht keineswegs glücklich, sondern ratlos, verlieren Herz und Hirn doch am Ende jede Orientierung. In Folge der Konfusion ziehen dunkle Wolken samt heftiger Regenfälle auf. „Its raining in my heart“, singt Keith Dunn, während er die Heimkehr der Liebsten herbeisehnt. Und siehe da: Sein Wunsch geht in Erfüllung. Doch die Auserwählte ist ein falscher Fuffziger und hat lediglich ihren (monetären) Vorteil im Sinn: „You need to make a dollar.“