21.09.2024: The Collective Abroad (Header)

21.09.2024: The Collective Abroad

Bericht im Lippstädter Patriot vom 24.09.2024.
Text: Marion Heier, v
ielen Dank für die Berichterstattung.
Fotos: Peter Hoffmann 


The Collective Abroad überzeugten mit individuellen Sounds

„Die Geschichte startet dort, wo schon so manche Reise begonnen hat: im Hamburger Hafen.“ Mit diesem einen Satz stimmte der Jazzclub-Vorsitzende Hermann-Josef Skutnik auf der Lippstädter Studiobühne auf das Ansinnen von The Collective Abroad ein: Menschen aller Länder zu verbinden.

Das Ensemble selbst besteht aus Musikerinnen und Musikern aus Deutschland, Dänemark, Schweden und Litauen, die 2019 bei einem Austauschprojekts verschiedener Hochschulen beim Hamburger zusammengefunden haben und jetzt die Botschaft des gemeinsamen Musizierens in die Welt tragen. Wenn sie touren, dann richtig, denn nur dann sehen sich die vielseitig in Projekten engagierten und über den Erdball verstreuten Musiker, die außer der Liebe zur Musik, auch die Liebe zu den Mitmenschen leben.

Das wird im Konzert spürbar, zu dem die sieben Bandmitglieder vollkommen unprätentiös und sogar ein wenig schüchtern wirkend die Bühne betreten. Aber hier stehen weder Studenten noch jungen Dozenten vorm Publikum, sondern in unseren Breitengraden unentdeckte Hochkaräter, die sich auf ihrer Reise auch musikalisch nach vorn treibt.

Dabei bewegt sich ein jeder anders, fügen sich die tradierten Jazzpianoklänge und experimentellen Gitarren-Loops zu einem Werk, das gleichzeitig Ausdruck von sieben Charakteren ist.

Alle Stücke sind Eigenkompositionen, die eine ganz eigenwillige Note haben und in denen immer auch eine Botschaft liegt. Mal erklingt Felicia Roos’ (Stockholm) Solo am Alt-Saxofon wie ein Aufschrei. Niklas Werk (Hamburg) setzt seine Elektro-Tools für sphärische Saiten-Klänge ein, die in „Ear“ die musikalische Metapher sind für die Zeit des Eisernen Vorhangs und ein Leben in Unfreiheit.

Jonas Due (Kopenhagen) reiht sich mit seinem Instrument in die Reihe der jungen großen Jazz-Trompeter ein. Das Stück „Survivours Guilt“ der Pianistin Agne Pasaraviciene (Vilnius) beschreibt mit folkloristisch eingearbeiteten Elementen die Scham der vom Krieg Verschonten. Saxofonist Maxim Frischmann (Berlin) hebt sich als Komponist hervor, Alex Petratos (Hamburg) als detail- und rhythmusverliebter Schlagzeuger. Jan Sedlak (Aalborg) wirbelt am Kontrabass und moderiert.

Das ist ganz große klasse, was auch vom Publikum erkannt und wertgeschätzt wird. Hier steht ein junges Ensemble auf der Bühne, das weiß, was es kann, das auf tradierten Pfaden sein Handwerkszeug gelernt hat und doch weiter auf Wanderschaft geht, immer auf der Suche nach einem neuen Sound, der sich nicht an Noten festmachen möchte, sondern am individuellen Klang seiner Erfinder.

Was die Symbiose von Freigeistern im Kollektiv angeht, so gehen The Collective Abroad beispielhaft voran. Ihr Name ist Programm und gleichzeitig Mahnung, es ihnen im auf das Gemeinwohl übertragenen Sinne gleich zu tun. Im nächsten Jahr ist wieder „Germany“ angesagt. Dann machen die sieben wieder Hoffnung, und dann wird die Studiobühne vielleicht auch voll sein.