Bericht im Lippstädter Patriot vom 16.10.2024.
Text: Dietmar Gröbing, vielen Dank für die Berichterstattung.
Fotos: Peter Hoffmann
Lausbübischer High-Speed-Sound: Boogie Banausen gastieren im Lippstädter Jazz Club
Musik bewegt. Sie macht etwas mit den Menschen, lässt sie lauschen, andächtig werden oder das Tanzbein schwingen. Viele Beine wurden am Samstag geschwungen, als der Lippstädter Jazz Club und seine Verantwortlichen in die Kahlenstraße baten. Der hier ehemals beheimatete Apollo Club avancierte zur Auftrittsfläche für die Boogie Banausen, die ihrem Namen alle Ehre machten.
Lausbübischer High-Speed-Sound durchdrang die Location und die Glieder der Anwesenden, die sich willfährig der Dynamik des Gehörten hingaben. Wer nicht tanzte, wippte mit dem Kopf oder versetzte andere Extremitäten in Bewegung. Zwar war das Verweigern der aktiven Teilhabe möglich, fiel aber ungeheuer schwer und war auf lange Sicht nicht von Erfolg gekrönt. So ergab sich jede Frau und jeder Mann früher oder später den Rhythmen dreier Herren, die unter anderem auf der Klaviatur der Swing-Fans spielten.
Genau dort gehört der Boogie Woogie hin, zählt er doch zur vielköpfigen Familie der Swingmusik. Als waschechter Gesellschaftstanz wird der Boogie Woogie nicht solistisch, sondern paarweise dargeboten. Kein Problem für die zahlreichen Gespanne, die sich vor der Bühne platziert hatten. Von dort aus konnte man dem stauenden Publikum die erlernten Fähigkeiten demonstrieren, waren diese doch von ausgeprägter Natur. Speziell im Fall der zahlreichen Lindy Hopper, die das Event nutzten, um (indirekt) Werbung für sich und einen Tanz zu machen, der in direkter Verwandtschaft zum Boogie Woogie steht. Letzterer spielte allerdings nur partiell die Hauptrolle, hatte der Abend doch wesentlich mehr zu bieten als ein singuläres Genre. Um der Veranstaltung eine abwechslungsreiche Note zu verleihen, stellten die Protagonisten den Boogie zeitweise zugunsten anderer Stilrichtungen hintan.
Dann redeten Dennis Taubner (Klavier und Gesang), Lorenz Knauft (Saxofon und Gesang) und Michael Seyfahrt (Drums) Rock & Roll, Jive und Jump Blues das Wort. Ebenso zu ihrem Recht kamen einige ruhige(re) Blues-Einschübe, die den Pulsschlag der Anwesenden minutenweise herunterkühlen ließen.
Doch mit der Ruhe war es nicht weit her, standen die Boogie Banausen doch kurze Zeit später wieder auf dem Gaspedal. Und mit ihnen alle Herbeigeeilten, die sichtlich Spaß hatten an programmatischen Arbeitsnachweisen wie „Swing that Boogie“ oder „Boogie Woogie Lesson“.
Für erhöhten Bewegungsdrang sorgten zudem die ehemaligen Fats Domino-Nummern „Be my guest“ sowie „Sick and tired“. Und weil es kaum etwas Schöneres gibt, als den Bewegungen einer anmutigen Frau zuzusehen, erklang wenig später der Johnny Tillotson-Hit „Poetry in Motion“.
Abrundung erfuhr die perfekt austarierte Setlist durch eine Reihe von Eigenkompositionen, die sich keineswegs hinter den Cover-Titeln verstecken mussten.







