Bericht im Lippstädter Patriot vom 11.11.2024.
Text: Bettina Boronowski, vielen Dank für die Berichterstattung.
Fotos: Peter Hoffmann
Wenn die Flöte quietscht und gurrt, singt und kreischt
Isabelle Bodenseh und ihre Band jazzten im Stadttheater
Eine Preziose kündigte Lippstadts Jazzclub-Vorsitzender Hermann-Josef Skutnik im Stadttheater an. Das war nicht zu viel versprochen: Solche schimmernden Schmuckstücke wie das international agierende Quartett mit der französisch-deutschen Jazzflötistin Isabelle Bodenseh und ihren drei Musikern sind rar.
Mit der dunkelgrundigen Bassquerflöte, die im Jazz selten zu hören ist, gab die Bandleaderin den Ton an. Das Instrument sieht ähnlich aus wie die bekannte Querflöte, ist aber ein gutes Stück länger – das bedeutet: Die Spielerin braucht mehr Luft. Isabelle Bodenseh hinderte die Tatsache aber nicht daran, in rasanten Tempo Skalen hoch und runter zu laufen, höchste Töne ebenso zu spielen wie die in den tiefsten Tiefen.
Überhaupt war es frappierend, welche Klänge sie mit ihren Instrumenten erzeugen konnte – neben der Bassflöte hatte sie noch zwei andere dabei. Die Flöten quietschten und gurrten, sangen und kreischten, mal kam nur ein Hauch, mal ein lauter Schrei. Isabelle Bodenseh hatte offenbar alles gesammelt, was musikalisch so zu finden war und klassische und rockige Elemente genauso überzeugend in ihre Stücke eingebaut wie Swingendes und Funkiges.
Ihr kongeniales Pendant war Thomas Bauser an der Hammond-Orgel, der ihr Spiel begleitete oder auch mal Kontrapunkte setzte. Im Großen und Ganzen stand die Flötistin zwar im Mittelpunkt, doch ohne ihre drei Mitmusiker hätte sie nicht groß rauskommen können. Neben Thomas Bauser bildeten der famose Lorenzo Petrocca an der Gitarre und der hervorragende Lars Binder am Schlagzeug ein sicheres Rhythmusfundament, auf dem sich Isabelle Bodenseh entfalten konnte. Zudem steuerten die drei jeweils eigene Stücke bei.
Die Flötistin tanzte und hüpfte zwischen „ihren Männern“ herum, erzählte, wie die Stücke entstanden sind, und schenkte jedem ein Lächeln. Musikalisch ging’s oft ums Essen. Da drängte sich in Abwandlung der Redensart „Das Auge isst mit“ der Spruch auf „Das Auge hört mit“: Vor dem schweren auberginefarbenen Vorhang saß der Schlagzeuger im lilafarbenen Hemd, auch der Gitarrist hatte zu dieser Farbe gegriffen, während Isabelle Bodenseh im lila-pinkfarbenen langen Kleid der Blickfang war. Wie beim guten Essen also: Alle Komponenten, Farben und Klänge passte zusammen.
Zum Schluss machte die Bandleaderin den Lippstädtern ein großes Kompliment. „Ich würde mich freuen, wenn wir uns wiedersehen. Und passen Sie gut auf Ihren Jazzclub auf! So was gibt’s nicht oft.“ Da gab es herzlichen Applaus, und unter ein paar Zugaben kamen die Musiker nicht weg.














