Quattro Nuevo am 17.01.2025 in der Jakobikirche

17.01.2025: Quadro Nuevo

Bericht im Lippstädter Patriot vom 21.01.2025.
Text: Dietmar Gröbing, v
ielen Dank für die Berichterstattung.
Fotos: Peter Hoffmann 


Ein Stück vom Zuckerhut gegen den Winterblues – Nicht nur die Formation Quadro Nuevo war in der Jakobikirche „Happy Deluxe“

Die westfälische Tiefebene im Januar 2025: Ein gräulicher Schleier liegt über der Landschaft, die Laune rangiert genau wie die Temperaturen im unteren Bereich. Es ist nun mal Winter, und dagegen kann man nichts machen. Oder doch? Wie wäre es beispielsweise mit einer Reise auf die Südhalbkugel? Dort ist momentan Sommer. Den passenden Soundtrack zum Kurztrip liefern Quadro Nuevo.

Das „neue Viereck“ gastiert auf Einladung des Lippstädter Jazzclubs in der Jakobikirche und holt mit seinem Auftritt ein Stück Süden in nördliche Hemisphären. Im Handumdrehen hebt sich die Laune der Anwesenden, katapultiert doch der Output jeden Fantasten Richtung Copacabana. Kein Wunder, denn das neue Album von Quadro Nuevo entstand während einer Brasilienreise. Angezogen von Zuckerhut, Zuckersound und „sehr netten Menschen“, lieferte sich die Formation bereitwillig dem Einfluss von Land und Leuten aus. Resultat ist ein Longplayer namens „Happy Deluxe“.

Das Beste daran: Das exorbitante Glücksgefühl lässt sich konservieren und reproduzieren. Etwa beim Lippstädter Liveauftritt der Band, die das Wochenende mit einem Stück Rio einläutet. Das möchten sich rund 200 Besucher nicht entgehen lassen. „Jeder Geistliche wäre froh, wenn die Kirche sonntags ähnlich voll ist“, kann sich der Jazzclub-Vorsitzende Hermann-Josef Skutnik einen lockeren Seitenhieb auf die schwindende Anziehungskraft der Gotteshäuser nicht verkneifen. Dafür gibt es Applaus.

Den sich wenig später auch die Künstlerschaft abholt. Nicht nur am Ende der Stücke, sondern wiederholt spontan mittendrin. Die Musiker revanchieren sich mit einem Set südamerikanisch angehauchter Klänge, denn Tim Collins, D.D. Lowka, Mulo Francel und Andreas Hinterseher wissen, was sich gehört. Hinterseher spielt Akkordeon, Francel Saxofon, Lowka Kontrabass und Collins Vibraphon und Percussion. Gesungen wird ausdrücklich nicht, setzt das Viergespann doch ganz auf die Wirkung seiner Instrumente.

Auch bei Stücken des Vorgängeralbums „Mare“, das „Happy Deluxe“ in Sachen mediterrane Grundierung in nichts nachsteht. In beiden Fällen setzt das Kopfkino ein, wenn die Musik startet. Dann fährt man eine Küstenstraße entlang, sitzt in einem Cabrio und lässt sich zu Samba, Tango und Walzer den warmen Wind um die Nase wehen. Eine klingende Winterfantasie, die verfängt. Man muss nur auf die wundersam erheiterten Gesichter der Anwesenden schauen. Sie lassen sich von dem produzierten Soundbild bereitwillig davontragen.

Böse Zungen würden das Ganze Fahrstuhlmusik nennen, weniger zynische Zeitgenossen sprechen von Weltmusik, wobei letztere Kategorisierung immer dann aus dem Hut gezaubert wird, wenn jede andere Zuordnung versagt. Am ehesten greift der Jazz-Ansatz, obgleich der Anteil improvisierter Strecken überschaubar ausfällt. Kann er auch, weil die Herren von Quadro Nuevo einen ausgeklügelten Plan haben und keineswegs auf Zufälle bauen müssen.