"Wir hatten was mit Björn" am 21.02.2025 in der Jakobikirche

21.02.2025: Wir hatten was mit Björn

Bericht im Lippstädter Patriot vom 25.02.2025. Text: Dietmar Gröbing. 
Vielen Dank für die Berichterstattung. Fotos: Peter Hoffmann 


Ungewöhnlicher Name, große Band: „Wir hatten was mit Björn“ überzeugen in der Jakobikirche

Maria, Caris und Maika hatten was mit Björn. Jetzt stehen sie auf der Bühne der Lippstädter Jakobikirche und machen gemeinsame Sache. Geht es um Rache, Aufarbeitung oder ein Komplott? Kriegt Björn am Ende sein Fett weg, oder zieht er den Kopf aus der Schlinge?

Nichts von alldem, denn Björn ist gar nicht anwesend. Der einzige Herr auf dem Podium heißt Lukas und ist Schlagzeuger. Das führt auf die richtige Spur, sind Maria, Caris und Maika doch ebenfalls der Musik zugetan. Wie, geht es hier gar nicht um ein dreifaches Techtelmechtel mit besagtem Björn? Nein, es handelt sich eine vierköpfige Combo, die ein bisschen Jazz, ein bisschen Pop, ein bisschen Chanson und ein bisschen Hollywood Sadcore macht.

Und weil man sich selbst und den Gegenstand nicht allzu ernst nimmt, hatte man auch bei der Wahl des Bandnamens ein Augenzwinkern parat. Ergebnis: Wir hatten was mit Björn. Das ist klug, witzig und macht neugierig. Weil es zunächst auf die falsche Fährte lockt, erwartet der Rezipient doch am ehesten ein Theaterstück.

Nun, alles, was auf einer Bühne geschieht, ist irgendwie Theater, was das Ganze nach den Regeln des Bühnenfachs mehr oder weniger weich abfedert. Dennoch sollte man keine theatrale Missetat gegen ein männliches Phantom erwarten. Man sollte nicht mal irgendeine Handlung erwarten. Vielmehr sollte man sich zurücklehnen und ein konzertantes Spiel genießen, das von dem Gedanken an Kooperation angetrieben ist, nicht von Missgunst.

Kaum auszudenken, was das Publikum hätte ertragen müssen, wenn das Quartett gegen- und nicht miteinander musiziert hätte. Dann wäre alles nichts gewesen: ein Abend voller Dissonanzen und übler Absichten. Kapitale Verbrechen inklusive. Wir haben Björn umgebracht. Nach allen Regeln der Kunst.

Stattdessen musiziert das gemischte Ensemble nach allen Regeln der guten Unterhaltung. Freispruch für Posaunistin Maria Trautmann, Sängerin, Keyboarderin und Gitarristin Maika Küster und die 2024 mit dem WDR-Jazzpreis ausgezeichnete Lippstädter Kontrabassistin Caris Hermes. Mildernde Umstände für Drummer Lukas Joachim. Der muss ohnehin schon im Hintergrund verweilen und den Damen den Rücken freihalten, respektive stärken. Es lebe das Matriarchat. Joachim weiß, was sich gehört. Also ordnet er sich einem femininen Gespann unter, das im Vordergrund die Fäden spinnt.

Da wird ins Horn geblasen, was das Zeug hält, gezupft, was die Saiten hergeben, und gesungen, was die Stimmbänder aushalten. Ist das Kunst oder kann das weg? Die Verantwortlichen des Lippstädter Jazzclubs sagen, das ist Kunst. Sonst hätte man das Quartett nicht eingeladen.

Die Besucher tendieren ebenfalls Richtung Gesamtkunstwerk. Der Beifallsgrad spricht eine eindeutige Sprache. Und was denkt der Kritiker? Der schließt sich geflissentlich der Mehrheit an.