Bericht im Lippstädter Patriot vom 05.03.2025 von Helga Wissing.
Vielen Dank für die Berichterstattung. Fotos: Peter Hoffmann
„Gepflechte Unnehaldung“ – Gankino Circus boten ein hinreißendes Karneval-Alternativprogramm
Sie drückten zusammen die Schulbank, spielten gemeinsam in einer Blaskapelle, kommen aus demselben Ort und gehören zu den „Letzten ihrer Art“. Zumindest nennen die vier Musiker aus dem fränkischen Dietenhofen so ihr Programm. Am Rosenmontag stellte das Quartett Gankino Circus die Bühne im Lippstädter Stadttheater zum zweiten Mal auf den Kopf.
Es ist, wenn man so will, ein Karneval-Alternativprogramm, zu dem der Jazzclub an diesem Abend eingeladen hat. Selbstverständlich wird im Publikum nicht geschunkelt und gebützt, aber dafür gelacht, frenetisch geklatscht und im Takt gewippt. Zwischen den Musikbeiträgen machen die vier „gepflechte Unnehaldung“ und erzählen kleine Anekdoten aus der provinziellen Heimat. Unter anderem die tragikomische Geschichte vom Weizen-Charly, dem Wirt des Stammlokals der vier, der „Heiligen Gans“, der am eigenen Tresen den Geist aufgibt. Die Jungs wandern ab zum Griechen Wassili Waskosta um die Ecke, mit der Einschränkung, dass sie fortan von Bier auf Ouzo umsteigen müssen.
Zum Schreien komisch auch die Begegnung der damals jugendlichen Musiker mit Florian Silbereisen. Sehr nett sei der, volksnah und ein Kumpel-Typ, „noch besser wie der Söder“. Aber: „Scheiße, der schaut gar nicht so gut aus wie im Fernseh’n.“
Der fränkische Dialekt unterstreicht die höchst amüsanten Geschichten, bei denen sich die Künstler gegenseitig die verbalen Bälle zuwerfen. Bei all dem steht die Musik natürlich im Mittelpunkt. Die vier grandiosen, allesamt akademisch ausgebildeten Musiker mischen in ihrem Programm Pop und Polka, Rock’n’Roll, Jazz und Folklore hemmungslos und zugleich genial miteinander. Drummer Johannes Sens liefert hinreißende Percussions mit beeindruckenden Soli. Simon Schorndanner begeistert mit Klarinette und Saxofon. Gitarrist Ralf Wieland erweist sich als begnadeter Techniker mit einem sehr eigenständigen Gitarrenton – mal weich und fließend, dann wieder voller Rhythmus und Energie. Ein Höhepunkt ist sein Bohrmaschinen-Sirtaki, bei dem das Plektrum am Bohrer zum Einsatz kommt. Sensationell auch das Bass-Akkordeon-Solo von Maximilian Eder.
Und weil man den Begriff Circus im Namen trägt – Gankino ist übrigens ein bulgarischer Tanz im rasanten Elf-Achtel-Takt, den die Band gern mal anwendet –, gibt’s sogar eine artistische Einlage. Ralf Wieland balanciert am Boden liegend seinen Kollegen Simon Schorndanner, der dabei Klarinette spielt. Mystisch wird’s, als zu Trockennebel und violettem Licht das „Bonophon“ auf die Bühne geschoben wird. Ein offenbar selbst konstruierter, großer Rahmen mit aufgehängten (tierischen) Röhrenknochen. Angeblich Überreste dessen, was von Charly nicht als Reliquie aufbewahrt wird. Maximilian Eder bedient das skurrile Instrument wie eine Art Xylophon.
Am Ende gibt es Standing Ovations und mehrere Zugaben. Darunter eine herrliche Version von „Livin la Vida Loca“.
















