Stephan Max Wirth Experience am 16.04.2025 auf der Studiobühne Lippstadt

26.04.2025: Stephan Max Wirth

Bericht im Lippstädter Patriot vom 29.04.2025 von Marion Heier.
Vielen
Dank für die Berichterstattung. Fotos: Peter Hoffmann.


Getrieben von Groove und Drive – Stephan-Max Wirth begeistert beim Jazzclub-Konzert auf der Studiobühne im Stadttheater

Glücklich schätzen darf sich der, der echte Freunde hat. Der Berliner Saxofonist und Komponist Stephan-Max Wirth hat sie und zeigt seine Wertschätzung mit einem Stück, das er nach drei Jahrzehnten und acht Pandemie-Monaten, in denen sie sich nicht sehen konnten, für seine holländischen Mitstreiter geschrieben hat. „Friends“, wie sollte es anders lauten, heißt der Titel, den das quirlige Ensemble in schrillen 70er-Jahre Hemden beim Jazzclub-Konzert am Samstagabend auf der Studiobühne des Stadttheaters anstimmt.

Dies im 30. Jahr des eigenen Bühnenjubiläums zum 70. Geburtstag des Jazzclub Lippstadts. Dabei spart die in den drei Jahrzehnten mit Preisen hochdekorierte Band nichts aus und präsentiert in ihrem neuen Album „Printemps Fatale“ den unglaublichen Reichtum des Jazz, vielmehr noch: die Möglichkeiten, die er bietet.

Das Wirth-Quartett bläst, zupft und schlägt all seine Erfahrung in den Raum der Studiobühne, die an diesem Abend leider nur mäßig gefüllt ist – vermutlich des guten Wetters wegen. Das Publikum wird mehr als entlohnt, obwohl die Musiker eine achtstündige Anfahrt von Husum aus hatten. Es genießt einen, wie die Konzertankündigung schon treffen formulierte, tiefgründigen Jazz und unwiderstehliche Grooves. Aber das Quartett lässt sich schwer in Worte packen, weil es ein absolutes Live-Erlebnis ist.

Stephan-Max Wirth (Tenor- und Sopransaxofon), Jaap Berends (Gitarre), Bub Boelens (Bass), Florian Hoefnagels (Schlagzeug) teilen die gleiche Leidenschaft, die sie ans Publikum weitergeben in Arrangements und Improvisationen, die man kategorisch dem Post-Bop, Jazzrock oder Free-Jazz zuschreiben darf. Sie lassen sich Zeit, die Stücke dürfen sich entwickeln und manchmal wähnt man sich in einer Session. Wenn Berends länger tief in seinem 70er-Sound versinkt und sich die Jazzer in ihren Improvisationen ekstatisch hochschrauben, dann ähnelt das manchem Pink-Floyd-Finale.

Es ist ganz einfach eine großartige Melange aus Jazz-anklängen, von Ethno bis Metal sogar, die hier zueinanderfinden und die so ziemlich alle Gefühlslagen abdecken. Während sich Wirth durch die Scales schlängelt, ist Hoefnagels der kreative Rhythmusmacher, der einen massiven Drive hineinarbeitet, der absolut ansteckend ist. Mit Sticks, Besen und Schlägel kreiert er neue Klänge, inspiriert und spornt seine Kollegen an und bringt sie dennoch sicher zum Thema zurück. Erst schlägt er einen funky Beat an, dann klingt es wie afrikanische Djembe. Das ist absolut sportlich.

Das Stück „Blues Maschine“ ist bis auf seine Oktatonik und verminderten Blue Notes alles andere als ein Blues. Was zunächst arabisch anklingt, entwickelt sich zu einem flotten Bebop und endet im schmissigen Rock‘n‘Roll, den man eher auf einem 50er-Dancefloor vermutet. Es ist alles drin und – vor allem dank Hoefnagels – immer ein gewisser Groove selbst in sehnsüchtigen Balladen. Die Musik weckt Emotionen, lässt freudig aufhorchen und tief abtauchen. Würdiger hätte der Auftakt zum Jazzclub-Jubiläumsfest am kommenden Samstag, 2. Mai, mit einer Foto-Ausstellung von Peter Hoffmann und dem Förde-Trio mit Andreas Hermeyer nicht sein können.