Bericht im Lippstädter Patriot vom 18.06.2025 von Dietmar Gröbing.
Vielen Dank für die Berichterstattung. Fotos: Peter Hoffmann.
Seeda im Lippstädter Jazzclub: Wie klingt die Mongolei? Seeda begeistern mit ungewohnten Klängen
Wie klingt die Mongolei? Ein bisschen nach Steppe. Und ein wenig nach Nomadendasein. Aber vor allem nach galoppierenden Pferden. Denn „wer mit Mongolen Musik macht, kommt um Pferde nicht herum“, sagt Omid Bahadori. Der Mann aus dem Iran führt als Gitarrist, Percussionist und Moderator durch das Konzert der Gruppe Sedaa. Die mongolisch-persische Formation gastierte am Samstag auf Einladung des Lippstädter Jazzclubs in der Jakobikirche.
Sedaa bedeutet zu Deutsch „Stimme“, was gut passt, denn Omid Bahadori entlässt sein prägnantes Organ wiederholt in das hitzeresistente Gotteshaus. Genau wie Nasaa Nasanjargal und Naraa Naranbaatar, die als Sänger und Instrumentalisten der Gruppe Sedaa fungieren. Die beiden stammen aus Ulan Bator, der Hauptstadt der Mongolei. Also weiß das Gespann zwangsläufig, wie die eigene Heimat klingt. Für hiesige Ohren schlichtweg ungewohnt, entrückt und anders. Aber positiv anders, wie die Reaktionen der Anwesenden zeigen.
Das Publikum lächelt und spendet reichlich Applaus für das Gehörte. In der Pause gehen etliche Tonträger des Quartetts über den Ladentisch. Man möchte ein Stück der akustischen Exotik mit nach Hause nehmen und in regelmäßigen Abständen reproduzieren. Etwa den charakteristischen Kehlkopfgesang oder den Sound des Hackbretts. Ersteres ist eine besondere Form der stimmlichen Jonglage, Letzteres ein trapezförmiges Saiteninstrument.
Klangwelten erinnern an Filmmusik
Ganzorig Davaakhuu, der ebenfalls mongolische Wurzeln besitzt, bedient das mit Klöppeln angeschlagene Brett. Nasaa Nasanjargal bringt neben seiner Stimme, die oft oberkopflastig ist, eine Pferdekopfgeige zum Klingen. Das im Original Morin Khuur benannte Instrument hat lediglich zwei Saiten und mündet am oberen Ende in einen symbolischen Pferdekopf. Genau wie der von Naranbaatar betätigte Kontrabass. Da sind sie wieder: die grazilen Vierbeiner, die nie real anwesend sind, aber unsichtbar über allem schweben. Schließlich liegt das Glück der Erde auf dem Rücken der Pferde. Und im Erfahren der oft an Filmmusik erinnernden Klangwelten, die Sedaa durchwandert.
Am besten, man schließt die Augen und lässt sich hinfort tragen. Nach Osten, weit nach Osten. Bis in den ausgedehnten, zerklüfteten Erdteil, der sich Mongolei nennt. Das klingende Landesporträt erfährt Ergänzung durch Hörbares aus dem orientalischen beziehungsweise persischen Raum. Noch mehr fremdländische Areale, denen mal meditativ, mal expressiv die Ehre erwiesen wird.
Moderne, relativ leicht zugängliche Stücke ergänzen sich mit kantigen Melodieführungen, denen zu folgen bisweilen eine Herausforderung ist. Was daran liegt, dass die vier Herren von Sedaa nichts mit den hinlänglich vertrauten Versatzstücken des Mainstream am Hut haben. Allerdings auch nichts mit dem klassischen Jazz-Genre. Aber das ist ein anderes Thema.












