Bericht im Lippstädter Patriot vom 06.12.2025 von Marion Heier.
Vielen Dank für die Berichterstattung. Fotos: Peter Hoffmann
Satter Bigband-Sound zum Doppel-Jubiläum: Jeff Cascaro im Lippstädter Stadttheater
„Den Sexy-Soul-Clap, den müssen Sie lernen!“ Der Soul- und Jazzsänger Jeff Cascaro kann gar nicht anders, als beim Gig im Lippstädter Stadttheater im Beat in die Hände zu klatschen. Das Publikum lässt sich nicht lange bitten.
„Come on, don’t stop!“, heizt der Bochumer beim Gemeinschaftskonzert von Jazzclub und KWL das Publikum an. Ihm gehört die Bühne am Donnerstag aber nicht allein. Das Jugendjazzorchester NRW (JJO) unter der Leitung von Stephan Schulze stellt sich vor – und das mit Bravour. Sänger und Bandleader sind seit Jahrzehnten vertraute Kollegen, außerdem wirkt Cascaro zum diesjährigen 50-Jährigen des JJO auf der Jubiläums-CD mit. Somit bildet das Konzert des Jazzclubs, der in diesem Jahr seinen 70. feiert, den krönenden Abschluss des Jubiläumsjahresreigens.
Was die Jugendlichen im Alter zwischen 17 und 24 Jahren zum Erklingen bringt, ist erstklassiger, satter Bigband-Sound, der Ohren und Füße erwärmt, die leider stillstehen müssen. Junge Menschen, die eine solche Leidenschaft für eine so bedeutende Spartenmusik entdeckt haben, sollten unbedingt unterstützt werden, wirbt Cascaro für das Ensemble, das in seiner Besetzung ständig rotiert, Talente fördert oder inzwischen gestandene Jazzer hervorbringt wie die Lippstädterinnen Caris Hermes und Judith Schröer.
So treten die Bandmitglieder an Saxofon, Posaunen und Trompeten, Gitarre, Schlagzeug und Klavier immer wieder solistisch hervor mit Improvisationen, die man eher den alten Hasen des Genres zutraut. Es sind Klassiker und für das Orchester geschriebene Arrangements, in denen die Bigband Quinten, Quarten und Terzen in harmonischen, dichten Vollklang bringt. Punktgenaue Fill-ins machen Laune, sind „frech, frisch und fetzig“, wie der Jazzclub-Vorsitzende Hermann-Josef Skutnik es in der Anmoderation andeutet.
Der Opener ist Jerome Kerns „The Song Is You“, und der ist beste Unterhaltung, wie sie ein Paul Kuhn oder das James-Last-Orchester nicht besser hätten liefern können. Hier sind junge Profis am Werk, die alle einzeln hervortreten. Als Exempel: Bela Nicolini wärmt zu „On A Clear Day“ am Flügelhorn auf, Sophia Hufschmidt zaubert zu Antonio Carlos Jobims „Triste“ entspannte Bossa-Nova-Atmosphäre und Paula Steimer groovt am Saxofon einfühlsam zur Jazz-Ballade.
Gemeinsam mit Jeff Cascaro treten die Musiker im Flügelhorn-Duett oder mit Posaunensolo auf und verleihen den Stücken einzigartige Vibes. Der Sänger, trotz Erkältung nach Lippstadt gekommen, genießt das Zusammenspiel, klatscht, groovt und erzählt, wie er über seine Oma, die wohl eher versehentlich eine Single von Ray Charles gekauft hatte, zum Jazz und „Jugend jazzt“ gekommen ist.
Es ist ein toller Jazz-Abend, der alle Fans zu stehenden Ovationen hinreißt. Mehr davon.
















