Trio Vinorosso Lippstadt beim Jazzclub-Konzert in der Jakobikirche

25.01.2026: Ensemble Vinorosso

Beitrag von Dietmar Gröbing in Der Patriot am 26.01.2026.
Vielen Dank für die Berichterstattung!
Fotos: Peter Hoffmann


Mit Walzerklängen auf nach Transsylvanien

„Wer sich selbst den Namen Vinorosso verleiht, muss sich zwangsläufig an den Vorzügen des italienischen Rotweins messen lassen. Also: Gelingt dem musikalischen Trio um Holzbläser Florian Stubenvoll tatsächlich ein klingendes Bouquet aus fruchtigen, bisweilen gar kräftigen Momenten? Durchaus.

Dabei kommen die Damen und Herren gar nicht aus Italien, sondern aus Deutschland, Bulgarien und Kroatien. Letztgenannte Destinationen führen auf die richtige Spur, denn es ist das osteuropäische Liedgut, dem man sich widmet. Salopp könnte man das Ganze „New Balkan Sound“ nennen, eine Melange aus Tradition und Moderne. Weil der Output von Vinorosso aber oft changiert und sich zwischen den Stühlen – sprich: zwischen den Genres – bewegt, werden die Protagonisten immer wieder der Gattung „Weltmusik“ zugeordnet.

Was arg schwammig ist, denn jede Musik ist letztlich Weltmusik, da sie irgendeinem ethnischen Einfluss unterliegt. Am besten, man einigt sich auf Jazz, der von Hause aus viele Spielarten unter seiner Decke vereint. Meinen auch die Verantwortlichen vom Lippstädter Jazzclub, die Vinorosso am Samstag in die Jakobikirche geladen haben.

In der Folge bejazzt die Formation das evangelische Gotteshaus nach allen Regeln der Kunst. Und nach den Regeln der musikalischen Gesinnung. Die macht weder Halt vor Grenzen noch artverwandten Barrieren. Daher springen Florian Stubenvoll (Klarinette), Miroslav Grahovac (Akkordeon) und Yoana Varbanova-Dammer (Percussion) vom Kaukasus in die Karpaten, vom Balkan in den Mittelmeerraum und zurück.

Offiziell möchte man „die Klänge unterschiedlicher Kulturen mit klassischer abendländischer Musik kombinieren.“ Inoffiziell sieht man sich als „Brückenbauer“. Und siehe da: Das servierte Liedgut schlägt tatsächlich eine Brücke: von der Bühne in den Zuschauer- beziehungsweise Zuhörerraum.

Man könnte auch sagen: Der Funke springt über, als die aufgerufenen Nummern schrittweise ihre Faszination entfalten. Die Menschen gehen mit, nehmen Anteil am beschwingten Part des Konzerts, das mehr und mehr Anwesende auf seine Seite zieht.

„Wunderbar“ entfleucht es einem Kirchenbesucher, der scheinbar den Osteuropäer in sich entdeckt hat. Andere Gäste denken ähnlich, bleiben aber stumm und lassen stattdessen ihre strahlenden Gesichter sprechen. Freude auch bei den in Ostwestfalen lebenden Musikern, die durchweg gut gelaunt ihren Job verrichten.

„Wir spielen fröhliche Musik zum Jahreswechsel, da dieser noch nicht allzu lang zurückliegt“, sagt Florian Stubenvoll und stimmt mit seinen Kollegen (semi-)tanzbare Melodien aus Polen, Serbien, Mazedonien und Georgien an. Besonders eindrucksvoll: ein aus Rumänien stammender Walzer, der das Publikum im Dreivierteltakt nach Transsylvanien entführt.