Bericht im Lippstädter Patriot vom 02.03.2026. Text: Dietmar Gröbing.
Vielen Dank für die Ankündigung vom 17.02.2026, und den engagierten, absolut verdienten Verriss.
Fotos: Peter Hoffmann.
Ein dissonantes Sammelsurium
„Habib Benedikt Elias ist als Jazzpianist vermutlich ziemlich gut, wenn er sein Talent in eine Gruppe einbringt. Als singender Solokünstler indes kann er nicht überzeugen. Dafür fehlt ihm das nötige Rüstzeug, wie am Samstag unschwer zu erkennen war, als Elias auf Einladung des Jazzclubs die Lippstädter Studiobühne beehrte. Schnell wird klar, dass der Süddeutsche weder über eine passable Stimme noch über die nötige Präsenz verfügt.
Wer als Solist einen Bühnenraum bespielt, hat zwingend eine gewisse Strahlkraft und eine stimmliche Aura zu besitzen. Beides geht Elias völlig ab. Wenn wenigstens die ausgesuchten Lieder das gewisse Etwas hätten. Haben sie nicht, denn Habib Benedikt Elias verfremdet sogar die bekanntesten Standards so sehr, dass sie nur mit Mühe zu identifizieren sind. Da erlebt selbst der Senkrechtstarter „Fly Me To The Moon“ eine Bruchlandung. Count Basie und Frank Sinatra haben sich vermutlich im Grab umgedreht.
Abgesehen vom Gesang, besitzt Elias im Grunde eigentlich alles, was es für eine überdurchschnittliche Performance braucht. Er verschränkt gekonnt Einflüsse aus Latin, Chanson, Swing und Singer-Songwriter-Fach. Allein, was nutzt der Umstand, wenn Elias all seine Lieder mit einer seltsam monotonen Attitüde versieht. Das Resultat ist ein gleichförmiges Etwas, das das Kunststück vollbringt, Oscar-prämierte Filmmusik, brasilianische Songliteratur und den Paolo-Conte-Klassiker „It´s Wonderful“ komplett austauschbar klingen zu lassen.
Apropos austauschbar: Elias kündigt alle Nummern mit der Phrase „Das nächste Lied heißt …“ an. Anstatt in der Folge den Titel zu nennen und loszulegen, nimmt Elias zunächst einen tiefen Schluck aus der Pulle und erklärt dann umständlich die Hintergründe der Werke, wobei er sich stetig wiederholt, verhaspelt oder um die Ecke laviert. Stringenz scheint dem Mann völlig fremd, ebenso ein strukturierter Ansatz.
Im Minutentakt versteigt sich Elias zu dogmatischen Statements und äußert letztlich immer mindestens drei Sätze zu viel. Weniger wäre mehr gewesen. Stattdessen reißt Habib Benedikt Elias alle bekannten Genre-Schubladen auf, kippt den Inhalt auf den Boden und sucht die benötigten Teile zusammen. Das dissonante Sammelsurium verschraubt er zu einem schwer erträglichen Ganzen, das mehr als einmal die Geduld der Anwesenden strapaziert. Nicht umsonst rutschen die Besucher nervös auf ihren Stühlen hin und her, blicken immer wieder zur Uhr. Wann ist es endlich vorbei? In diesem Fall viel zu spät.“






